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Klingebiel-Zelle im Sprengel-Museum Hannover

Nur eine Kopie Klingebiel-Zelle im Sprengel-Museum Hannover

Gleich zwei Attraktionen hat jetzt die Einblickshalle des Sprengel-Museums zu bieten: Neben der Ausstellung mit Werken der Videokünstlerin Corinna Schnitt steht ein dunkler Quader, der sich beim Eintreten als Dokumentation hellsichtiger Gegenwartskunst erweist: Die berühmte Klingebiel-Zelle – eindrucksvoll, dreidimensional, doch nur eine Kopie.

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Julius Klingebiel in seiner Zelle.

Quelle: GT-Archiv

Hannover/Göttingen. Die Zelle ist nach Julius Klingebiel (1904–1965) benannt, von 1940 bis zu seinem Tode Psychiatriegefangener in Göttingen.

Der Mann, der 1939 seinen Stiefsohn gewürgt haben soll, wurde als angeblicher Psychotiker weggesperrt. 1951 hat er begonnen, seine neun Quadratmeter große Zelle zu bemalen – über das Ergebnis sagt Reinhard Spieler, der Direktor des Sprengel-Museums: „Das ist ein ganz herausragendes Werk der sogenannten Outsider Art.“ Da das Gebäude vor einem Abriss stehe, die Zelle aber denkmalgeschützt sei, stelle sich die Frage nach ihrem Verbleib.

„Wir wollen zum Nachdenken darüber anregen, welches ein guter Ort für dieses Raumkunstwerk sein könnte“, sagt Spieler und weist darauf hin, dass sein Haus mit dem Kabinett der Abstrakten und dem Merzbau schon mehrere Raumkunstwerke beherberge. Freilich will man in Göttingen das Werk behalten, und auch Kulturministerin Gabriele Heinen-Klajic hat sich für den Verbleib in der Universitätsstadt ausgesprochen.

Das „Feste Haus“, bislang noch in der Obhut des Sozialministeriums, soll dem Landesliegenschaftsfonds überantwortet werden, bei dem dann die Entscheidung liegt. Die Zellkopie soll auch als Illustration bei einem Symposium zur Klingebiel-Zelle dienen, das am 17. November um 16 Uhr beginnt. Zu den Teilnehmern zählen Andreas Spengler, langjähriger Klinikdirektor in Wunstorf, Kunstprofessor Siegfried Neuenhausen sowie der Outsider-Art-Experte Thomas Röske.

Von Daniel Alexander Schacht

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