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Kollegen in Göttingen beziehen Stellung

Böhmermanns Schmähkritik Kollegen in Göttingen beziehen Stellung

Satire darf alles, so die verbreitete Meinung. Dass sie das womöglich nicht darf, ist durch den Fall um Jan Böhmermann und sein Schmähgedicht deutlich geworden. Beleidigungen – auch als Satire – können justiziabel sein. Komödianten und Ausstellungsmacher beziehen dazu Stellung.

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Jan Böhmermann

Quelle: dpa

Göttingen . „Die Grenzen von Satire gehören nicht in die Hand des Gesetzgebers“, findet der Göttinger Komiker Alexis Kara, der in der „heute show“ mitspielt. Für ihn habe Satire keine Grenzen, außer wenn Menschen unter dem Deckmantel der Satire andere beleidigten ohne einen Kritikpunkt zu haben. Aber auch dann diffamiere der Beleidigende eher sich selbst als denjenigen, den er beleidigt.

Erbärmlich

Der Göttinger Comedian Lars Wätzold sieht Böhmermanns Gedicht über den Präsidenten der Türkei, Recep Tayyip Erdoğan, mit etwas Kritik: „Um den Gedanken aufzuzeigen, hätten drei, vier Zeilen gereicht, dafür bräuchte es kein langes Gedicht“. Er könne verstehen, dass Erdogan sich aufrege. „Dass Erdogan aus dem Gedicht einen diplomatischen Fall macht, ist aber erbärmlich“, so Wätzold.

Ähnlich sieht das WP Fahrenberg, Leiter des Ausstellungsbüros Fahrenberg in Göttingen. „Ein Schmähgedicht über einen Diktator ist vollkommen okay“, findet er. Mit „kuschelweicher Berichterstattung“ könnten keine Diskussionen angeregt werden. Auch über harte Grundlagen wie Böhmermanns Gedicht müsste eine vernünftige Diskussion möglich sein.

Viel steht auf dem Spiel

Bei solch einer Diskussion dürfe aber die Einbettung des Gedichts in die Sendung nicht übersehen werden, findet Martin Sonntag, Leiter der Caricatura Galerie in Kassel. Er bezeichnet Böhmermanns Gedicht als „derb, aber künstlerisch und satirisch gerechtfertigt“. Bei dem strafrechtlichen Verfahren stehe viel für Journalismus und Satire in Deutschland auf dem Spiel.

Dabei sieht Sonntag auch ein großes Problem in dem Verhalten von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die versuchte, Erdogan zu beschwichtigen und das Gedicht als „bewusst verletzend“ bezeichnete. Dabei sei Erdogans Umgang mit der Satire unsouverän, auch wenn er zu seinem Umgang mit Satire in der Türkei passe, findet Sonntag.

Von Hanna Scheiwe

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