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Auf hohem Niveau tiefer gelegt

Jürgen von der Lippe Auf hohem Niveau tiefer gelegt

Mit seinem Programm „Wie soll ich sagen …?“ hat Jürgen von der Lippe am Freitag  in der ausverkauften Göttinger Stadthalle sein Publikum begeistert. Und natürlich wusste der Komiker genau, was er sagen sollte und vor allem auch wie.

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Jürgen von der Lippe

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Ein lauter Tarzanschrei hallt durch den Saal. Und dann kommt Jürgen von der Lippe auch schon dynamisch auf die Bühne. Sympathisch, mit einer Riesenausstrahlung und von jetzt auf gleich mittendrin.

„Wir wollen über Sprache sprechen“, kündigt der Hawaiihemdträger entschlossen an. In den vergangenen zwei Tagen sei auch schon alles über Donald Trump gesagt worden. Aber natürlich setzt von der Lippe noch einen drauf. „Trump schmeißt als Erstes eine schwarzen Familie aus dem Weißen Haus.“ Und über die „Scheiß-Frisur“, mit der der künftige US-Präsident die Neider auf sehr eigenwillige Weise besänftigt, landet der Komiker mit gespielter Überheblichkeit bei den eigenen Unzulänglichkeiten. Er selbst habe sich „Falten machen lassen und den Bauch aufgespritzt“. Das Publikum brüllt vor Lachen.

Fernsehshows, Musik, Bühnenprogramme. Der Ostwestfale ist seit fast 40 Jahren im Geschäft, vielfach ausgezeichnet (unter anderem mit zwei Grimme-Preisen) und eine Institution im Unterhaltungsfach. Anders als Tarzan, der Held seiner Kindheit, der mit fünf Silben auskam („Ich Tarzan, du Jane“) ist der Entertainer, Musiker und erfolgreiche Autor zudem ein bekennender Liebhaber der deutschen Sprache. 

Über berufsspezifische Spracheigenarten und Wortschöpfungen (Geschäfte mit Hybridnamen wie „Hairgott nochmal“) lässt sich der 68-Jährige, der einst seine akademische Laufbahn („Ich war früher mal Deutschlehrer gewesen“) schmiss, aus. Über literarische Feinheiten wie den Briefroman redet er, über das Mann-Frau-Thema, und Anekdoten aus dem eigenen Leben erzählt er auch, um sich dabei selbst kräftig auf die Schippe zu nehmen.

Das Programm ist abwechslungsreich. Mit Liedermacher-Songs zur Akustikgitarre unterhält von der Lippe. Zuschauer holt er auf die Bühne für Wort- und Musikspiele. Und Parodien auf Größen wie Grönemeyer, Lindenberg und Maffay fehlen natürlich auch nicht, ebenso wenig wie eigene Bühnenfiguren bei denen er sein schauspielerisches Können zeigt.

Das Gefälle ist gewaltig. Denn von der Lippe schätzt nicht nur das geschliffene Wort auf hohem Niveau. Er liebt auch Witze ganz tief unter der Gürtellinie. Aber so ist es eben: Kenne und beherrsche die Regeln, dann kannst du sie auch brechen. Denn bei von der Lippe geht es nicht nur darum, was er sagt, sondern vor allem auch darum, wie er es sagt. Pausen, Tempo, Lautstärke, Sprachmelodie. Die Pointen und Geschichten sind so sauber auf den Punkt erzählt, wie es nur wenige deutschsprachige Humorschaffende beherrschen. 

Ganz entspannt, mit viel Improvisationstalent und Bühnenerfahrung bringt von der Lippe sein Publikum zum Lachen. Und trotz aller Routine wirkt sein Programm, mit dem er bereits seit 2014 unterwegs ist, immer noch frisch und schelmisch. So, als ob er nach all den Jahren immer noch selbst ganz viel Spaß am Spaßmachen hat.

Von Karola Hoffmann

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