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"Holdrio Again" von Otto

Gastspiel in Göttingen "Holdrio Again" von Otto

Jodeln und Norddeutschland bringt man nicht zwingend zusammen. Doch keine Regel ohne Ausnahme. Denn knödelige Kehllaute sind seit Jahrzehnten das Markenzeichen eines Ostfriesen-Komikers. Am Freitag hat Otto Waalkes sein Programm „Holdrio Again“ in der voll besetzten Göttinger Lokhalle vorgestellt.

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Kult-Komiker Otto begeisterte das Publikum in der Lokhalle.

Quelle: SPF

Göttingen. Ein Jahr lang hat Otto Waalkes verstärkt hinter den Kulissen als Synchronsprecher, Produzent, Schauspieler, Maler und Zeichner gearbeitet. Seit Anfang Oktober ist er wieder auf Tour. Und nachdem sich das Publikum in der Lokhalle schon mit Sprüchen von der Leinwand warm gegluckst hat, begrüßt es den „holle-re-idi“-jodelnden Ostfriesen mit großem, warmem Applaus. „Hallo Göttingen“ hallt es von der Bühne. „Hallo Otto“ echot es vielhundertfach zurück.

Zwei Stunden lang düst der Spaßmacher und Musiker zwischen dem „Otto Huus“ und einem rot-weißen Leuchtturm hin und her, und kann sich dabei auf sein text-, refrain- und pointensicheres Publikum verlassen. Ob „Uhuhu huhu“ beim Lied „Holdrio again“ oder „Ooh hoo, bin ein Friesenjung“, es wird kräftig mitgesungen. Ob nun sieben, acht Jahre alt oder 70, alle amüsieren sich gleichermaßen.

In der „Fabel vom Bär“ stellt der 68-Jährige Tiere instrumental dar und erinnert damit an Prokofjews „Peter und der Wolf“. Reichlich Mehl, Wasser und Kohl bekommen die Zuschauer in den vorderen Reihen ab im Kochshow-Sketch. Und als Otto seine Ottifanten-Plüschtier-Kanone in Stellung bringt, tummeln sich etwa 100 Kinder am Bühnenrand.

Technisch perfekt ist das Duett mit seiner auf Leinwand eingespielten Udo-Lindenberg-Parodie. Und das Puppentheater mit Urzeit-Faultier Sid, das Waalkes einst für den Film „Ice Age“ synchronisierte, und einer Version von „The Lion Sleeps Tonight“ ist einfach zauberhaft drollig. Die schrägen Übersetzungen im „Englisch-Kurs für Followers“ fehlen ebenso wenig wie die Hänsel-und-Gretel-Variationen mit Parodien auf Grönemeyer, Maffay und Cro sowie jede Menge Schlüpfrigkeiten.

Keine Frage, Waalkes tritt seit Jahrzehnten mit nahezu den gleichen Witzeleien und Grimassen auf, mit seinem Gehüpfe und „Holle-re-idi“. Und die Hallen sind voll. Das Publikum will den Spaßmacher aus Emden sehen, will seine Figuren und Parodien erleben, will die Lieder hören und mitsingen, die Blödeleien, Reime und Pointen mitsprechen. Das ist vertraut, das ist ein Stück Kindheit und Familie. Und wer eines der lauthals vergnügt glucksenden Kinder neben sich sitzen hat und eine Frau, die (mit wunderbarer Gesangsstimme) fröhlich mitträllert, muss auch nicht über Gebühr herummäkeln, sondern einfach gönnen können.

Das Publikum ist begeistert. Erst nach mehreren Zugaben lässt es den Mann aus Ostfriesland, der seit 2005 Träger des Satirepreises „Göttinger Elch“ ist und im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Bühnenjubiläum feierte, von der Bühne. Der Abend endet mit dem im Chor gesungenen Otto-Klassiker „Dänen lügen nicht“ und einem besonders schönen Bild: Arme werden im Takt geschwenkt und Handys leuchten im nachtblauen Licht.

Von Karola Hoffmann

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