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Komödiant Erwin Grosche im Alten Rathaus Göttingen

Kultursommer Komödiant Erwin Grosche im Alten Rathaus Göttingen

Erwin Grosche ist ein Solitär unter den  Spaßmacher. Ein Kabarettist ist er nicht, weil Tagespolitik in seinen Programmen nicht vorkommt. Ein Comedian ist er nicht, weil er keine schlüpfrigen Witze erzählt. Komödiant trifft es  noch am besten. Das zeigte sein Auftritt am Sonnabend im Alten Rathaus.

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Quelle: Heller

Göttingen. „Das Lied habe ich schon mal gesungen, da war ich noch ganz jung. Aber woanders. In der Galerie Apex. Da hingen ganz verruchte Bilder.“ Der Paderborner Grosche mit den unvergesslichen Kulleraugen ist im Laufe seiner mit diversen hochkarätigen Auszeichnungen veredelten Karriere schon häufiger in Göttingen aufgetreten, eben auch schon in jungen Jahren. Inzwischen ist er fast 60 Jahre alt und ein lebenskluger Spaßmacher. In seinem jüngsten Programm mit dem Titel „Abstandhalter“, das er beim Kultursommer im Alten Rathaus präsentierte, geht es um die „Annäherung an Menschen, Tiere und Dinge“, so verkündete es der Programmzettel, so ist das auch. Es kann ja gar nicht anders sein.

Grosche ist der literarischste unter den deutschsprachigen Spaßmachern. Der Name Angela Merkel taucht in seinem Programm nicht auf, und auf die Schenkel schlägt sich auch niemand während Grosches Auftritten. Feinsinnig blickt er auf den Alltag und denkt ihn weiter. Das Schild am Schalter der Sparkasse mit der Aufforderung, Abstand zu halten beispielsweise, hält ihn vom Schalter ab.

Bemerkenswerte Erkenntnisse fördert er zu Tage: „Wussten Sie, dass man auch dick werden kann von Dingen, die einem nicht schmecken?“ Oder die drei Sätze, mit denen man in seiner Heimatstadt Paderborn Bürgermeister werden könne: „Das hört man gerne“, „da sag ich nicht nein“ und „Da machst du was mit“.

Entschleunigung ist an diesem Abend eines der großen Themen Grosches. Ganz langsam tanken, was besonders wirkungsvoll sei, wenn man es richtig eilig habe. Oder das Quintett, zu dem auch er selbst gehöre, das sich immer mittwochs treffe, um zu schlafen. „Und da geht es nicht darum, wer als erster fertig ist.“

Über die Bedeutung des guten  ersten Eindrucks spricht er („Ein Mops als Drogenhund? Geht gar nicht“) und von Tests, ob man alt geworden ist (im knallvollen Bus fahren und keiner steht auf? Dann ist man noch nicht alt).

Auf einem schraddeligen Spielzeugflügel spielt Grosche, ein wenig Akkordeon auch, ein nach veredelter Stealdrum klingendes sogenanntes Halo und Mundharmonika, alles irgendwie so, das es gerade reicht für seine kleinen hübschen Klimperlieder.  Und am Ende bringt er einige seiner „Kurzszenen voller Anmut und Lebensfreude“. Ein Reigen voller skurriler und poetischer Minimalspäße – so zauberhaft schön wie der ganze Abend.

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Von Redakteur Peter Krüger-Lenz

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