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Kompositionen von Martin und Schostakowitsch im GSO-Konzert

Konzert in der Stadthalle Kompositionen von Martin und Schostakowitsch im GSO-Konzert

Was für ein Anfang! Ganz allein, ohne jede Begleitung hebt Cécile van de Sant an, singt die ersten Zeilen von Rilkes „Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ in der Vertonung von Frank Martin – und überwältigt mit einer samten-warmen, ausdrucksvollen, ungewöhnlich tief reichenden Stimme.

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Solistin im „Cornet“: Cécile van de Sant mit dem GSO.

Quelle: Vetter

Das selten zu hörende Werk stand am Anfang des Konzerts mit dem Göttinger Symphonie Orchester (GSO) am Freitag in der nicht ganz voll besetzten Göttinger Stadthalle. Vielleicht hatte der Umstand, dass beide Werke des Abends im 20. Jahrhundert komponiert sind, einige Hörer abgeschreckt. Doch wer fortblieb, hat einen musikalischen Glanzpunkt dieser Saison versäumt.

Denn Frank Martins „Cornet“-Vertonung ist ein unmittelbar zu Herzen gehendes Werk, in dem herbe und zarte Stimmungen meisterhaft musikalische ausgedeutet sind, in dem Krieg und tragisches Einzelschicksal bewegend und erschütternd musikalische Gestalt finden. Ihre etwa einstündige Solopartie überstand die Solistin ohne jedes Zeichen von Anstrengung, das Orchester unter der einfühlsamen Leitung von Christoph-Mathias Mueller steuerte wunderschöne Farben und wirkungsvolle dramatische Akzente bei.

Das gilt gleichermaßen für das zweite Werk des Abends, Dmitri Schostakowitschs monumentale fünfte Symphonie. Hier wuchs das – mit zahlreichen Gastmusikern verstärkte – GSO über sich hinaus in einer großartigen geschlossenen Leistung. Diese Symphonie ist auf ähnliche Weise ein Welt­entwurf, wie dies Mahler in seinen Symphonien vorgeführt hat, ja stellenweise vernimmt man bei Schostakowitsch sogar das Mahlersche Idiom, etwa im zweiten Satz. Mueller zeichnete die groß angelegte Architektur dieses Meisterwerks in deutlichen Konturen nach, seine Musiker folgten hochkonzentriert und hochmotiviert. Ein großer Abend.

Von Michael Schäfer

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