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Konstantin Wecker in der Göttinger Stadthalle

Auf der Suche nach dem Wunderbaren Konstantin Wecker in der Göttinger Stadthalle

Der Titel seiner Tour und seines aktuellen Albums „Ohne Warum" ist ein Ausdruck spätmittelalterlichen philosophischen mystischen Denkens. Konstantin Weckers neue Lieder sind mal zärtlich, mal wütend, mal lyrisch-mystisch. All diese Facetten hat er jetzt in der Göttinger Stadthalle präsentiert.

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Nach wie vor ein Mahner: der Liedermacher Konstantin Wecker.         

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Wecker fühlte sich als Künstler stets in der Verantwortung, etwas zu tun. „Ohne Warum" heißt für ihn zu handeln, ohne an einen Lohn für sein Handeln zu denken. Dieser Gedanke ist für ihn eine Weiterführung seines Liedes „Ich singe, weil ich ein Lied hab", das er vor 40 Jahren geschrieben hat.

Auf der Bühne begleitet ihn ein einfühlsames Ensemble. Jo Barnikel an Klavier und Keyboard ist Wegbegleiter und Freund seit vielen Jahren. Für die Perkussion und diverse andere Instrumente steht ihm Wolfgang Gleixner von der Mundart-Gruppe Haindling zur Seite. Fany Kammerlander setzt wunderbare symphonische Akzente auf dem Cello. Die Gitarristin und Sängerin Cynthia Nickschas, die in diesem Jahr schon ein fulminantes Konzert im Apex gab, hat Wecker auf der Straße beim Spielen seines Liedes „Tiefer als das Meer“ kennengelernt. Mit ihr singt er im Laufe des Abends beeindruckende Duette.

Im Wechsel präsentiert Wecker mit vertrauter Wortakrobatik eindringliche Balladen, setzt politische Statements in Gedichtform und spricht mahnende Worte. Er sei immer Anarchist geblieben und fordert auf „mit dem Herzen zu denken“ und „den Hass mit Zärtlichkeit zu besiegen“.

Wecker ist nach wie vor ein aufmerksamer Beobachter der Geschehnisse dieser Zeit. Lieder wie „Krieg" oder „Revolution" dokumentieren die gewohnte Schärfe in Weckers Lyrik. In „Krieg“, dem ein 100 Jahre altes Gedicht von Georg Heym zugrunde liegt, singt er zu dramatischer Instrumentierung „...Gibt es einen, der im Kriege nicht verlor? Und nun sind der Kriege mehr als je zuvor ..., zweimal kam der große Krieg mit aller Macht. Und sie sind zum dritten Mal nicht aufgewacht ". Das Lied „Die Gedanken sind frei" überträgt er mit textlichen Ergänzungen in die heutige Zeit.

Intime Momente entstehen, wenn Wecker über die Zeit mit seinen Kindern reflektiert („An meine Kinder“) oder sich ganz allein am Flügel „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ befindet. Laut und deutlich in der Ansage wird es mit dem Aufruf „Sage Nein“. Auf die fulminante Darbietung von „Weltenbrand“ folgt Applaus im Stehen des begeisterten Publikums.

„Gracias a la vida“ im Wechselgesang, „Ohne Warum“ und ein italienisches Gute-Nacht-Lied beenden nach fast dreieinhalb Stunden einen im Sinne des Wortes denkwürdigen Abend.

Von Jörg Linhoff

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