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Konstruktion von Perspektive

Kunstwerk des Monats Konstruktion von Perspektive

An jedem ersten Sonntag im Monat zeigt die Kunstsammlung der Universität Göttingen im Alten Auditorium am Weender Tor ein Objekt aus ihren Beständen. Es wird mit einem Einführungsvortrag vorgestellt. Diesmal: Albrecht Dürers Stich „Die Vermessung der Laute“.

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Apparatur zur Abbildung: Düreres „Die Vermessung der Laute“.

Quelle: Kunstsammlung

Als die Künstler der Renaissance die Zentralperspektive entwickelten, waren sie geradezu euphorisch, welche künstlerischen Möglichkeiten sich dadurch auftaten. Dabei spielten technische Hilfsmittel eine entscheidende Rolle. Albrecht Dürer veröffentlichte 1525 das Buch „Unterweisung der Messung“, in dem sich die Abbildung „Vermessung der Laute“ findet. Das Bild zeigt einen Innenraum in dem zwei Männer eine Vorrichtung bedienen, mit deren Hilfe das Musikinstrument oder jeder andere Gegenstand auf einer Fläche als Bild wiedergegeben werden kann.

Die Frage der korrekten Abbildung der sichtbaren Welt ist ein vielfach behandeltes Thema der Renaissance und bereitet den Weg für optische Theorien, der letztendlich zur Camera obscura und der Fotografie führt. Bereits eine Generation vor Dürer beschäftigen sich in Italien Kunsttheoretiker mit dieser Frage und definieren das Bild als einen Schnitt durch die Sehpyramide, wodurch der Blick auf das Bild wie ein Blick aus dem Fenster erscheint. Dabei wurde auf die Vorstellung von Sehstrahlen zurückgegriffen, die bereits in der Antike Verbreitung fand. Demnach dient das Auge dem Auffangen von Strahlen, die vom Objekt zum Betrachter gelangen. Dieses Auffangen, das Abbilden und Festhalten dieser Strahlen könnte durch einen technischen Apparat erfolgen.

Mit der Frage, wie dies zu bewerkstelligen sei, befasste sich auch Dürer als einer der ersten nördlich der Alpen. Bereits nach seiner zweiten Italienreise 1507 beschäftigte er sich mit theoretischen Gedanken, wie der Vermessung des Menschen und dessen bildlichen Konstruktion mittels mathematischer Gesetze. Ziel war es, das Werk des Künstlers auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen und über das Handwerk zu erheben.

Gedanken weiterentwickeln

Mit seinen Veröffentlichungen wollte er die in Italien bereits diskutierten Gedanken weiterentwickeln und im deutschen Sprachraum verbreiten. Das didaktisch anspruchsvolle, mit zahlreichen Illustrationen versehene Buch „Unterweisung der Messung“ sollte demnach als ein Lehrbuch für humanistische Künstler dienen. Darin erklärt Dürer seine Sehtheorie, die Konstruktion von Perspektive sowie Apparaturen zur Abbildung von Objekten.

Stets beinhalten die Apparate eine Festlegung des Blickwinkels und eine Vorrichtung, um Proportionen, Umrisse oder Punkte festzuhalten. Neben der Verwendung eines Rasters oder einer Glasplatte ist die hier gezeigt Methode wohl die komplizierteste: Das Ende eines mit einem Gewicht straff gehaltener Fadens wird nacheinander an markante Punkte des Objekts gehalten. Dann wird der Punkt, in dem die Fadenlinie die durch einen Holzrahmen begrenzte Bildebene schneidet, durch den Kreuzungspunkt eines horizontalen und vertikalen Fadens markiert.

Zweidimensionale Projektion

Daraufhin wird dieser Punkt auf die davorgeklappte Malfläche übertragen, die anschließend wieder entfernt wird, um weitere Punkte markieren zu können. Das Ergebnis ist eine Punktverteilung, die – mit Linien verbunden – eine perspektivisch erscheinen Wiedergabe des Objekts erkennen lässt: Eine zweidimensionale Projektion eines dreidimensionalen Gegenstandes.

Solche bildgebende Verfahren dienten den Künstlern als Hilfsmittel, nicht nur um Objekte abzumalen, sondern auch, um sie in Bildräume einzufügen. Auf diese Weise diente ihnen das Wissen um Optik, Geometrie und Perspektive dazu, gottgleich eine eigene Welt im Bild erschaffen zu können. Dürers künstlerisches Werk lässt ihn alle anderen Künstler nördlich der Alpen überragen. Seine theoretischen Abhandlungen stellen ihn in das Zentrum humanistischen Denkens seiner Zeit.

Der Autor stellt Albrecht Dürers Stich „Die Vermessung der Laute“ am Sonntag, 3. März, um 11.30 Uhr im Hörsaal 11 des Auditoriums, Weender Landstraße 2 in Göttingen, vor.

Harald Klinke

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