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Konzert des Göttinger Symphonie Orchesters in der Stadthalle

Klänge aus dem Perlentränentöpfchen Konzert des Göttinger Symphonie Orchesters in der Stadthalle

Ein roter Faden im Programm eines Konzerts ist eine schöne Sache. Da werden manchmal Bezüge deutlich, die man ohne diese Hilfestellung nicht gesehen hätte. Um „Alte Freundschaften“ ging es am Freitag im Konzert des Göttinger Symphonie Orchesters (GSO) in der ausverkauften Stadthalle.

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Viel Applaus für die lebhafte Konzertdarbietung erhalten: Das Göttinger Symphonie Orchester am Freitag in der Stadthalle.

Quelle: Vetter

Göttingen. Da gab es zur Eröffnung gleich eine Freundschaft über mehrere Jahrhunderte, nämlich zwischen Bruno Maderna (1920-1973) und seinem Landsmann Giovanni Gabrieli (1557-1612). Dessen „Canzon à tre cori“ hat Maderna für modernes Orchester bearbeitet. Dabei herausgekommen ist ein zauberhaft farbiges Stück Musik mit freundschaftlichen Dialogen zwischen Holz- und Blechbläsern und den Streichern, die teilweise kammermusikalisch ausgedünnt sind, verziert mit den Perlentränen­tröpfchen zweier Harfen. Das war deutlich mehr als eine bloße Ehrerbietung des Jüngeren an seinen Renaissancekollegen.

Für das Solistenkonzert hatte Dirigent Christoph-Mathias Mueller das Violinkonzert von Brahms aufs Programm gesetzt. In diesem Werk artikuliert sich die Freundschaft des Komponisten mit Joseph Joachim, einem der bedeutendsten Violinisten des 19. Jahrhunderts. Hier führte die persönliche Beziehung sogar zu einer direkten Einflussnahme auf den Notentext: Joachim passte den Solopart des Konzerts den technischen Möglichkeiten eines Geigenvirtuosen an, die der klavierspielende Komponist selbst nicht so intim kannte.

Selbst in der Besetzung des Soloparts machten sich freundschaftliche Verbindungen bemerkbar. Der junge Solist Serge Zimmermann, Jahrgang 1991, ist der Sohn von Frank-Peter Zimmermann, einem der herausragenden Violinisten unserer Zeit. Letzterer ist dem GSO schon seit Kindertagen zugetan und wurde deshalb zum Ehrenmitglied des Orchesters ernannt.

Serge Zimmermann hat es aber überhaupt nicht nötig, die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer auf dem Umweg über seinen Vater auf sich zu ziehen. In seiner Solistenkarriere hat er schon etliche bedeutende Stationen erreicht, er ist eine ausgereifte musikalische Persönlichkeit mit einer gewinnenden Ausstrahlung – und einem brillanten virtuosen Rüstzeug.

Feurig-mitreißende Wirkung

Dazu besitzt er eine hohe musikalische Intelligenz, mit der er die besondere Eigenart dieses Soloparts perfekt meistert. Denn Brahms lässt seinen Solisten zwar immer wieder deutlich hervortreten, weist ihm aber auch begleitende Stimmen zu, so dass sich in diesem Konzert Solist und Orchester auf Augenhöhe begegnen können.

Das Orchester war dem virtuosen Solisten – den Glanz trüb­ten zwei, drei minimale Intona­tionsungenaugkeiten nicht wesentlich – ein selbstbewusster Partner. Mueller sorgte für ein wunderbar ausgewogenes Wechselspiel zwischen Solo und Tutti, folgte Zimmermanns  geschmackvollen Rubati geschmeidig und setzte klare Akzente mit feinem Gespür für die dramatische Entwicklung.

Mit diesem Gespür verhalf Mueller dem Schlussstück des Abends, der Symphonie „Aus der Neuen Welt“ von Antonín Dvořák, zu feurig-mitreißender Wirkung. Die Musik atmete, lebte, versetzte die Hörer in Hochspannung, ließ sie mitfühlen, hier in sanfter Melancholie, dort in jubelnder Freude.

Darin folgten ihm die sehr konzentriert und engagiert spielenden GSO-Musiker mit Hingabe. Von den vielen ausdrucksstarken Soli sei wenigstens der Englischhornpart im langsamen Satz erwähnt, den Viorel Bindilia mit tiefer Empfindung gestaltete. Der Beifall am Ende dieses begeisternden Abends wollte kaum aufhören. Das Konzert könnte dem GSO sehr wohl neue Freunde zugeführt haben.

Von Michael Schäfer

Am Donnerstag, 12. Februar, ist das GSO in der Aula, Wilhelmsplatz 1, zu Gast: „Treffpunkt Paris“ ist das Thema ab 19.45.

 

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