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Konzert es Göttinger Symphonie-Orchesters mit einer Rarität im Mittelpunkt

Zu Unrecht vergessen Konzert es Göttinger Symphonie-Orchesters mit einer Rarität im Mittelpunkt

Eine Rarität stand im Mittelpunkt des Konzerts mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) am Freitag in der Stadthalle: die Serenade op. 95 von Max Reger. Kaum ein Zuhörer dürfte dieses 1906 komponierte Werk gekannt haben.

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Voller lebendiger Spielfreude: die Musiker des Göttinger Symphonie-Orchesters.

Quelle: Pförtner

Es gibt Vorurteile gegen Regers Musik, die bisweilen auch zutreffen, etwa überbordende Modulationen und schwer durchschaubare Kontrapunktik. Doch diese Serenade muss man davon ausnehmen: Hier hat Reger eine durchsichtige, ja graziöse Musik mit duftigen Klangfarben geschrieben. Sie ist zu Unrecht vergessen.

Das machte das GSO – diesmal in der Wiener Aufstellung mit den Kontrabässen hinten in der Mitte – unter der federnden, klug strukturierenden Leitung von Christoph-Mathias Mueller auf hinreißende Weise deutlich. Die Musiker bewältigten ihren Part mit bewundernswerter Schwerelosigkeit, mit bemerkenswert flexiblem Ausdruck, vielen kleinen zärtlichen Nuancen und lebendiger Spielfreude. Es hatte sehr wohl den Anschein, als mache ihnen diese Serenade genau so viel Spaß wie dem Publikum im gut besuchten Saal.

Eröffnet wurde das Konzert mit Beethovens „Coriolan“-Ouvertüre, deren ungeheure dramatische Kraft Mueller mit seinen Musikern spannungsreich darstellte. Und mindestens ebenso kraftvoll war das schwergewichtige Schlussstück dieses Abends, das zweite Klavierkonzert B-Dur op. 83 von Johannes Brahms mit dem schweizerischen Pianisten Cédric Pescia. Brahms unternimmt in diesem Werk eine Synthese aus symphonischem und konzertantem Stil: Der Solopart ist oft in den Orchesterklang integriert, das Klavier windet Klang-Girlanden um die Orchesterstimmen, um anderenorts auch wieder selbstbewusst die Führung zu übernehmen.

Dabei hat Brahms den Klaviersatz mit technischen Schwierigkeiten ausgestattet, die pianistische Höchstleistungen verlangen. Man merkte Pescia hier und da an, dass er sich an diesem Werk noch abzuarbeiten hatte. Einige Passagen hatten zwar deutliche Anfangs- und Zielpunkte, doch der Strecke dazwischen fehlte es an klaren Konturen. Das ist bei einer Premiere – Pescia spielte diesen Part zum ersten Mal in seiner Laufbahn – sicherlich zu verzeihen.

Und es hat auch für die Beurteilung seines hochvirtuosen Spiels keine besondere Bedeutung. Denn was sein pianistisches Brahms-Konzept auszeichnete, war sein Verzicht auf Kraftprotzerei. Im Gegenteil: Immer wieder lichtete er den Klang auf, nahm ihm die lastende Schwere, die lyrischen Melodien konnten sich entspannt aussingen, im Finale überraschte er mit geradezu koboldhaften Sprüngen.

Das GSO unter Mueller folgte dem Solisten mit größter Genauigkeit, beherrschte perfekt den Umgang mit den kleinen, stets organischen Beschleunigungen und Verzögerungen. Dazu gab es feine solistische Leistungen, von denen der Cellopart im langsamen Satz (Joachim Mittelbach) und die Hornsoli (John Feider und Kathrin Duschmalé) hervorgehoben seien. Für den begeisterten Applaus bedankte sich Cédric Pescia mit dem ganz zart und sanglich vorgetragenen Thema aus Bachs Goldberg-Variationen. Zauberhaft.

Nächstes GSO-Konzert am Freitag, 6. Februar, um 19.45 Uhr in der Stadthalle.

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