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Isolation Berlin überzeugt mit Trostlosigkeit

Konzert im Dots Göttingen Isolation Berlin überzeugt mit Trostlosigkeit

„Und aus den Wolken tropft die Zeit“, heißt das Debütalbum der gefeierten Newcomerband Isolation Berlin. Doch beim Konzert im Dots tropften die Lieder der Berliner Band nicht nur dahin: Mal laut und hysterisch, mal ruhig und melancholisch haben die jungen Musiker um Sänger Tobias Bamborschke die Besucher in ihren Bann gezogen.

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"Isolation Berlin" im Göttinger Dots.

Quelle: Heller

Göttingen. „Wir spielen jetzt ein Konzert“, nuschelt Bamborschke zur Begrüßung in das Mikro. So reduziert wie die Begrüßung sind in den Liedern oft auch die Sounds. Das kalt wummernde Schlagzeug beherrscht die Instrumentalisierung, gepaart mit Bamborschkes Stimme, die in den ruhigen Parts überzeugt, schnoddrig, melancholisch und etwas arrogant zugleich.Trostlose Szenerien beherrschen die Texte: Da geht es um eine verlorene Liebe oder das Nicht-mehr-aufstehen-wollen.

Wer bei Bamborschkes Einführung mit den Worten „Das ist eine Anweisung für alle Verliebten“ ein romantisches Liebeslied erwartet, liegt daneben. Im Song „Verschließe dein Herz“ geht es darum, nur sich selbst zu vertrauen, um bloß nicht verletzt zu werden. Pathetisch, mit einer gewissen Ernsthaftigkeit trägt Bamborschke die Lieder vor, ein Lächeln ist nur selten in seinem Gesicht zu erkennen. Doch das Publikum tanzt und pogt zu den Liedern, feiert die Lieder, die vor Trostlosigkeit strotzen und ihr doch irgendwie trotzen.

Da ist es sich mit der Musikbranche einig: Isolation Berlin wird als eine der besten neuen, deutschen Bands gehypt. Der Musikexpress wählte das Debütalbum zum Album des Monats Februar, bewertete es mit sechs von sechs Sternen. Beim Echo wurden die vier Musiker für den Kritikerpreis nominiert.

Der Auftritt wirkt ehrlich. Da ist Gefühl in den Liedern: Depression, Enttäuschung, Wut – die Bamborschke auch gern mal herausschreit, wie im Song „Wahn“. „Dunkle Ringe um die Augen…“, beginnt der Sänger das nächste Lied „Du hast mich nie geliebt“ und diese erste Zeile passt auch gut zu ihm selbst – mit auffallenden Augenringen in seinem blassen Gesicht steht er auf der Bühne, ein Ringelshirt unter der schlabberigen Lederjacke. Die Abgefucktheit ist Attitüde, Bamborschke weiß was er macht. Und dass er es gut macht.

Von Hannah Scheiwe

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