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Konzert in kuscheliger Harmoniewolke

Gregor McEwan im JT Konzert in kuscheliger Harmoniewolke

Gregor McEwan. Ist das nicht dieser schottische Schauspieler? Man stutzt bei diesem Namen, der irgendwie gleich nach Ruhm klingt und eben auch nach Regen, Nebel über den Highlands, Melancholie und glasklaren Seen. Wohl deshalb hat Hagen Siems, 1982 geboren in Haltern, sich dieses kleidsame Pseudonym zugelegt, das auch seinem Aussehen gut zu Gesicht steht.

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Balladen passend zum Herbst: Gregor McEwan (links) mit seiner Band.

Quelle: Heller

Der junge Musiker sieht aus wie der kleine Bruder von Noel und Liam Gallagher von Oasis und die Gitarre steht ihm genauso gut. Musikalisch erinnern „McEwan and The Ellipse Road Band“ allerdings mehr an Travis, übrigens auch eine schottische Band. Und nun genug der (schottischen) Vergleiche. Nur wenige Zuhörer waren bis zum verschobenen Konzertbeginn in der Kantine des Jungen Theaters um 22 Uhr geblieben – die Verspätung geschah aufgrund der Premiere nebenan – für diese lohnte es sich aber.

Die Balladen des Debütalbums „Houses and Homes“ passen wunderbar zum Herbst, sind das musikalische, heutige Pendant zu Rilkes Gedicht „Herbsttag“. Innere Bilder werden beschworen, die Songs laden zum Schwelgen in Erinnerungen ein und widmen sich Liebe, Liebesleid, Leben und dem Zuhause. Eingehüllt in dieser kuscheligen Melancholiewolke lässt es sich gut verweilen und näher zusammenrücken. Das weiß auch Frontmann Gregor McEwan, als er ein tuschelndes Pärchen im Publikum anspricht, ob es denn schon zusammen sei. Auf die Antwort „Nein, noch nicht“, antwortet McEwan: „Da habt ihr ja Glück. Wir machen genau die richtige Musik dafür.“

Für die besondere Note der gitarrenlastigen Songs sorgt neben dem bei besonders rührseligen Textzeilen gern in die Kopfstimme gehende McEwan größtenteils Ruby Hartbrich. Mit ihrem Cello, manchmal auch mit dem Glockenspiel setzt sie entscheidende Akzente. Neben ihr und Cyprian Piskurek spielen Markus Surmann (mit großer Stimme), Simon Oexmann und Patrick Scheipers. Zusammen ergeben die letzten drei die Vorband des Abends „Trapped inside the chase“ und bieten ein tanzbares Gegenmittel gegen die allgemeine Balladenseligkeit. Diese ist auf dem Höhepunkt mit dem Titel „Banks“, der „all those good old times“ beschwört, begleitet mit Banjo und Ukulele. Ein wunderbares Singer-Songwriter Album und ein großartiger Abend, dem man entschieden mehr Zuhörer gewünscht hätte.

Von Marie Varela

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