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Musik vom Hofe der Alhambra

Konzert in Göttingen Musik vom Hofe der Alhambra

Im südspanischen Andalusien haben einst Muslime, Christen und Juden friedlich miteinander gelebt und so Wissenschaft und Kunst zur Blüte gebracht. Musik vom Hofe der Alhambra brachten Mezzosopranistin Sabine Loredo Silva und Lautenist Ulf Dressler am Freitagabend in St. Paulus in Göttingen zu Gehör.

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Quelle: GT

Göttingen. Die Römer verbannten sie 70 nach Christus aus Palästina. Viele Juden fanden in Spanien Zuflucht, bis sie 1492 von dort erneut vertrieben wurden, diesmal durch die katholischen Könige Isabella und Ferdinand. Da hatten die Sepharden, die jüdischen Spanier, das Altspanische bereits als Muttersprache angenommen, es mit hebräischen Worten gemischt. In dieser Sprache, dem Ladino, waren die Lieder, die Loredo Silva als Gast der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit ihren 70 Zuhörern im Gemeindesaal vortrug.

Von fast jedem Lied bot die Künstlerin eine Übersetzung, machte die Inhalte beim Singen mit Mimik und Gestik anschaulich. Oft begleitete sie sich selbst auf dem Tamburin, schlug es mit zwei, drei Fingern, ließ seine Schellen klingen. In den Stücken ging es um religiöse Themen, wie die Geburt des Patriarchen Abraham, aber auch um die Liebe. Da klagte ein Mann, die Mutter der Geliebten hätte ein Kind ohne Herz zur Welt gebracht. Eine junge Frau bekannte dem wortreich besungenen Geliebten, sie werde ihn nicht zum Gatten nehmen. Sie habe ihn bei Sonnenschein gesehen.

Auch christliche Werke interpretierte die Opernsängerin. Sie wählte Stücke aus der Sammlung Cantigas de Santa Maria aus, die im 13. Jahrhundert am Hofe des Königs von Toledo, Alfonso el Sabio, zusammengestellt worden ist. Zudem erklang Musik der Araber, die vom 8. Jahrhundert an weite Teile Spaniens erobert hatten. Dressler spielte das arabische Instrument Al-Oud („das Holz“), aus dem sich die europäische Laute entwickelt hat. Vier Saiten hat Al-Oud, die für die vier Temperamente des Menschen stehen. Der Hals ist abgeknickt. Der Vihuela, der Vorläuferin der Gitarre, entlockte der studierte Musiker zarte Klänge. Bei einigen Stücken griff Dressler, der 1979 in Göttingen sein Staatsexamen für höheres Lehramt in Deutsch und Politik gemacht hat, zu einer prachtvoll mit Intarsien verzierten Barockgitarre.

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