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Mächtige Klangwogen

50 Jahre Ott-Orgel Mächtige Klangwogen

Sie befindet sich dank liebevoller Pflege in blendender Form und besitzt eine mächtige Stimme: Die Ott-Orgel in der Jacobikirche feiert bei den 23. Internationalen Orgeltagen bis Ende November ihren 50. Geburtstag. Am Freitag tat sie dies zusammen mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO).

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Quelle: PH

Göttingen. Zu diesem runden Geburtstag kamen als Gratulanten auch der Göttinger Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler und Landrat Bernhard Reuter (beide SPD). Beide machten dem jubilierenden Instrument die schönsten Komplimente – Köhler mit dem Hinweis darauf, dass diese Orgel ein Meisterstück der Göttinger Handwerkskunst darstellt, Reuter mit der Idee, die Orgeln Südniedersachsens als touristisches Ziel zu bewerben.

Jacobi-Kantor Stefan Kordes hatte zu diesem Konzert einen renommierten europäischen Organisten eingeladen, den Niederländer Ben van Oosten. Der war Solist in zwei klangprächtigen konzertanten Werken für Orgel und Orchester zweier französischer Komponisten, von Charles-Marie Widor und Alexandre Guilmant, die diesen Abend umrahmten.

Einige Zuhörer in der gut besuchten Kirche mutmaßten anfangs, Kordes habe das GSO zu laut spielen lassen – in dem eröffnenden Satz aus Widors Symphonie concertante war zunächst die Orgel tatsächlich nicht zu hören. Doch das war nicht etwa die Schuld von Kordes, sondern ein dramaturgischer Kniff von Widor. Im raschen Beginn des Satzes spielt das Orchester lange allein. Dann erst beginnt der in festlichen Tönen jubelnde Dialog, bei dem die Orgel sehr wohl in der Lage ist, dem Orchester Paroli zu bieten.

Das war gleichermaßen im Schlussstück des Abends zu erleben, in der ersten Orgel-Symphonie von Alexandre Guilmant. Sehr genau lenkte Dirigent Kordes die Klangwogen zwischen Rede (der Orgel) und Gegenrede (des Orchesters). Überdies sorgte für eine bemerkenswerte rhythmische Präzision, die angesichts der Entfernung zwischen Altarraum und Orgelempore nicht eben leicht auszubalancieren ist.

Dazwischen gab Kordes mit der vierten Symphonie von Johannes Brahms dem GSO die Möglichkeit, seine reichen Ausdrucksqualitäten vorzuführen. Die konnten sich dank des ruhig vorwärtsstrebenden Ansatzes des Dirigenten frei entfalten.

Ben van Oosten hatte seinen Part in den beiden konzertanten Orchesterstücken mit lupenreiner Präzision gestaltet, mit Temperament und Klangsinn. Das führte er auch solistisch vor: in der „Petite Suite“ seines Landsmanns Hayo Boerema. Hier zog er im wahrsten Sinne alle Register der Ott-Orgel, zauberte hier hauchzarte, dann wieder mächtig anschwellende Klänge in allen Farbschattierungen. Am Ende gab es Standing Ovations.

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