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Konzertante Aufführung von Joseph Haydns Oper „L’isola disabitata“

Klassik Konzertante Aufführung von Joseph Haydns Oper „L’isola disabitata“

Symphonien und Streichquartette, Klaviersonaten, dazu die großen Oratorien: Das sind die bekannten Gattungen im Werk von Joseph Haydn. Den Opernkomponisten Haydn hat das Göttinger Symphonie Orchester (GSO) am Donnerstag, 26. März, im Deutschen Theater präsentiert: eine spannende Entdeckung.  

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Opernouvertüre: Göttinger Symphonie Orchester unter Martin Haselböck.

Quelle: Theodoro da Silva

Liest man die Handlungszusammenfassung, kommt kaum Begeisterung auf. In Haydns Oper „L’isola disabitata“ (Die unbewohnte Insel) bevölkern seit 13 Jahren zwei schiffbrüchige junge Frauen ein einsames Eiland, die eine, Costanza, verheiratet, aber seit dem Unglück von ihrem Gatten getrennt, ihre Schwester Silvia so jung, dass sie noch nie einen Mann zu Gesicht bekommen hat. Kurz bevor sie endgültig verzweifeln – Costanza meißelt schon ihren Grabstein – landet Gatte Gernando mit seinem Gefährten Enrico an diesem Gestade. Und nachdem etliche Irrtümer geklärt sind, fallen sich zwei glückliche Paare in die Arme.

Die Musik, die Haydn 1779 zu dieser Irrfahrtsgeschichte geschrieben hat, ist  über die Maßen anmutig, witzig, biegsam, spritzig und sprechend. Das Augenzwinkern, mit dem Librettist Pietro Metastasio die barock anmutenden Handlungsschemata zitiert und zugleich ironisiert, spiegelt sich in der geistreichen, fröhlichen Musik. Ja selbst in den bewegendsten Klagen schimmert doch immer wieder durch, dass der Anlass zur Klage doch eigentlich ein ausgedachter ist, also kein wirkliches Problem.

Musikalische Spitzlichter

Gastdirigent Martin Haselböck arbeitete mit dem konzentriert reagierenden Orchester die Kontraste deutlich heraus. Er setzte musikalische Spitzlichter mit blitzenden Akzenten, ließ die seelischen Stürme der Akteure in den Streichertremoli bewegend zittern.

Und obwohl dies eine konzertante Aufführung war, konnte man den Inhalt gut verstehen. Denn die vier Protagonisten sangen so lebendig, dass man dem italienischen Text auch mit nur geringer Sprachkenntnis leicht folgen konnte, ja dass sich der eine oder andere Witz gleichsam außersprachlich mitteilte.

Bernarda Bobro war mit ihrem federleichten, mühelos geführten hellen Sopran eine ideale Besetzung für die junge Silvia. Dunklere, edle Töne setzte Barbara Senator mit ihrem schön timbrierten Mezzosopran dagegen. Lyrisch und zugleich kraftvoll mit metallenem Glanz sang Roger Padullés die Partie des Gernando, voluminös und koloraturenfreudig Christian Hinz (Bariton) die des Gefährten Enrico. Und zu den Gesangssolisten kamen im Finale etliche brillante Solostellen im Orchester – vom Konzertmeister über die Flöte bis hinab zum Fagott. Wunderschön. So eine Aufführung macht Appetit auf mehr.

                                                                                                                        Von Michael Schäfer

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