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Umsonst und draußen

Kostenlose Documenta-Kunstwerke Umsonst und draußen

Die Weltkunstausstellung Documenta 14 verteilt sich auf zahlreiche Gebäude. 22 Euro kostet der Besuch, ermäßigt 15 Euro. Doch es gibt auch eine Reihe von Kunst im öffentlichen Raum oder hinter Schaufenstern, die ohne Eintrittskarte erlebt werden können. Wir zeigen, wo sie zu finden sind.

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Mit dem Konrad erradelt: Die „Mühle des Blutes“ von Antonio Vega Macotela.

Kassel. Kassel. Die Weltkunstausstellung Documenta 14 verteilt sich auf zahlreiche Gebäude. 22 Euro kostet der Besuch, ermäßigt 15 Euro. Doch es gibt auch eine Reihe von Kunst im öffentlichen Raum oder hinter Schaufenstern, die ohne Eintrittskarte erlebt werden können. Wir zeigen, wo sie zu finden sind.

Das Zentrum der Documenta liegt auch im Zentrum Kassels. Wer also mit dem Auto anreist und möglichst dicht an der Kunst parken will, stellt sein Auto in der Tiefgarage unter dem Friedrichsplatz ab. Doch es gibt auch eine kostengünstige und dazu noch entspannende Alternative. Vor der Kunsthochschule in der Menzelstraße steht das Fahrzeug ohne Parkticket. Und: Hier stehen Fahrräder, die für eine Tour vorbei an der Documenta-Außenkunst gemietet werden können.

Die ersten Kunstwerke sind bereits im Bereich der Kunsthochule aufgebaut. Gernot Minke (geb. 1937) hat unmittelbar rechts neben dem Hochschulgebäude eine kleines Gebäude mit einer Sound­installation errichtet.

Mit dem Fahrrad

An diversen Orten in Kassel, aber auch in anderen Städten, vermietet die Firma Konrad Fahrräder. Das Übernehmen des Rades funktioniert einfach und schnell. Am besten schon im Vorfeld des Documentabesuchs unter konrad-kassel.de registrieren. Wers versäumt, kann das aber direkt am Fahrradständer per Smartphone nachholen. Dann die Nummer auf dem Deckel am Hinterrad anrufen, ein Freischaltcode kommt per sms, und das Schloss lässt sich öffnen. Bei einem Zwischenhalt kann das Fahrrad verriegelt werden. Auf dem Displax unter dem Deckel erscheint der Freischalt-Code. Zur Rückgabe einfach an einer der Konrad-Station anschließen, fertig. Das Registrieren ist kostenlos. Eine Stunde Fahrt kostet 1 Euro, maximal 10 Euro für 24 Stunden.

Mit dem Fahrrad geht es jetzt links der Hochschule hinein in die Karlsaue. In unmittelbarer Nähe wurde posthum ein Konzept des US-Amerikaner Benjamin Patterson (1934-2016 ) verwirklicht: eine Symphonie der quakenden Frösche. Zu hören sind Tonaufnahmen dieser Tiere, vermischt mit dem Sound eines menschlichen Chores von Froschimitatoren.

Etwas weiter nördlich in der Karlsaue erinnert eine Installation an die Ciudad Abierta, an die offene Stadt, die ihren Ursprung Mitte der 1960er-Jahre hatte. Eine Gruppe Studenten und Lehrende unternahm eine Reise quer durch Südamerika. Ihr Thema war eine Neugestaltung damals geltender geopolitischer Orientierungen. Sie gründeten ein Kollektiv und starteten ihr auf Improvisation gründendes Bauprojekt. In Richtung Orangerie radelnd, erreichen die Besucher eine wuchtige Holzkonstruktion von Olaf Holzapfel (geb. 1967) mit dem Titel „Trassen“. Weitere Arbeit zeigt Holzapfel, der sich mit Grenzen beschäftigt, im Palais Bellevue.

Lois Weinberger (geb. 1947) hat auf der Ostseite der Karlsaue einen 100 Meter langen, flachen Graben ausgehoben. Die dabei anfallende Erde hat er auf einen Haufen gekippt. Jetzt können die Documenta-Besucher der Natur beim Einnehmen des Erdhügels zuschauen. „Ruderal Society: Excavating a Garden“ hat er das Werk genannt.

Direkt vor der Orangerie steht die Molino de Sangre, die Mühle des Blutes. Das Trumm ist nach historischen Plänen aus Holz gebaut und misst fünf mal neun mal neun Meter. Silber- und Goldbarren wurden mit der Mühle zum Prägen von Münzen bearbeitet. Angetrieben wurde sie von Tieren oder Menschen. Während der Documenta gibt es täglich mehrere Schauprägungen. Ein Techniker kommt, ölt die Mechanik und legt Rohlinge ein. Besucher setzen die Mühle in Bewegung und zu ebener Erde fällt eine geprägte Münze durch ein Rohr. Viel Aufwand, wenig Ertrag.

An der westlichen Stirnseite der Orangerie ist mehrere Meter hoch eine Leuchtschriftkasten angebracht. Romuald Karmakar (geb. 1965) erklärt in einem über 75 Minuten fortlaufenden Text „Die Entstehung des Westens - Von den Anfängen in der Antike bis zum Fall von Konstantinopel“ - das vielleicht meistübersehene Werk der aktuellen Documenta.

Kanalisationsröhren hat Hiwa K (geb. 1975) auf dem Friedrichsplatz aufbauen lassen und von Kunststudenten als Behausung einrichten lassen. Eine gut gemeint Erinnerung an Flüchtlinge, die ähnlich leben müssen.

In den Weinbergterrassen haben zwei Künstler Werke installiert. Nathan Pohio (geb. 1970), Angehöriger eines auf einer Südinsel Neuseelands beheimaten Stammes, bezieht sich auf Fotografien aus dem Jahr 1905. Sie zeigen Stammesführer auf Pferden im Festtagsgewand beim Begrüßungsritual. Vor ihnen der britische Generalgouverneur mit seiner Ehefrau - im Automobil. Unweit davon entfernt das Werk von Rebecca Belmore (geb. 1960), ein Zelt aus Marmor, das von Athen nach Kassel transportiert werden sollte.

Ibrahim Mahama (geb. 1987 ) hat die beiden Gebäude der Torwache am Brüder-Grimm-Platz mit zerschlissenen Jutesäcken verhüllt. Sie stehen für den Welthandel: in Asien hergestellt, in Ghana gefüllt und verladen, in die USA und nach Europa transportiert. Das Verhüllen soll den Gebäude die ursprüngliche Funktion und Form nehmen.

Das Wahrzeichen der Documenta 14, der „Parthenon der Bücher“ von Martha Minujin (geb. 1941) steht auf dem Friedrichsplatz, ein Gerüst mit den Maßen der Akropolis, behängt mit Büchern, die irgendwann verboten waren oder es noch sind. Monumental und ästhetisch eindrucksvoll. Daniel Knorr (geb. 1968) lässt es auf dem östlichen Turm des Fridericianums dauerhaft rauchen, Banu Cennetoglu (geb. 1970) hat die Buchstaben über dem Portal des zentralen Documenta-Gebäudes ersetzt. Anstelle von Museum Fridericianum steht dort jetzt Beingsafeisscary. Und links neben dem Fridericianum an einer Kaufhaus-Fassade hat ein Altmeister politischer Kunst sich mit Transparenten an der Documenta beteiligt. Hans Haacke (geb. 1936), darauf verkündet: „Wir (alle) sind das Volk“.

Auf dem Königsplatz in der Fußgängerzone hat Olu Oguibe (geb. 1964) eine weitere Parole in den Blick gerückt. Auf seinem mehr als 16 Meter hohen Obelisk steht zu lesen: „Ich war ein Fremdling und ihr habt mich beherbergt“. Fünf Glaspavillons, Kurt-Schumacher-Straße 23-31, wurden von verschiedenen Künstlern gestaltet - frisch und angenehm unmuseal.

Das letzte monumentale Bauwerk findet sich schließlich im Nordpark. Dort stellte Agnes Denes (geb. 1938) eine neun Meter hohe bepflanzte Pyramide auf, die jetzt gepflegt wird.

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