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Kraft der Kunst, Wunder des Lebens

Lesung mit der britischen Autorin Jenny Valentine Kraft der Kunst, Wunder des Lebens

Knapp 200 Schüler der neunten und zehnten Klassen haben am Dienstag im Theodor-Heuss-Gymnasiums einer Lesung von Jenny Valentine gelauscht. Die britische Kinder- und Jugendbuchautorin stellte hier ihr neues Buch „Fire Colour One“ vor.

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„Das Buch hat kein überraschendes Ende“, sagt Valentine, die allerdings nicht verrät, wie es genau ausgeht.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Vor den Türen der Aula feiern die Abiturienten des Gymnasiums mit lauter Musik den zweiten Tag ihrer Mottowoche. Heute ist das Thema „Rentner“ dran: mit ergrauten Haaren, Gehstöcken und altbackener Kleidung stehen sie auf den Tischen und tanzen. Die gute Stimmung ist ansteckend: Die jüngeren Schüler in der Aula sind unkonzentriert, tuscheln und wären gerade wahrscheinlich lieber woanders.

Jenny Valentine:

„Durchs Feuer“. dtv Verlagsgesellschaft. 220 Seiten, Taschenbuch, 14,95 Euro.

Jenny Valentine scheint verständnisvoll und absolut tiefenentspannt. In ihrem schnellen britischen Englisch liest sie aus ihrem Roman „Fire Colour Run“. Die Autorin ist auf Einladung des Literarischen Zentrums zu Gast in der Reihe „Literatur macht Schule“. Als Valentine erklärt, dass sie in ihrem Roman auch eigene Erfahrungen verarbeitet hat, wird es ruhiger in der Aula. Sowohl die Autorin als auch ihr Vater waren schwer erkrankt, er starb daran. Sie überlebte - und schrieb das Buch. „Ich wollte flüchten“, sagt die Autorin, die 1970 in Cambridge geboren wurde. Das Erfinden der Welt von Protagonistin Iris half ihr, über den eigenen Verlust hinweg zu kommen.

In Deutschland ist der Roman unter dem Titel „Durchs Feuer“ erschienen. „Das Buch hat kein überraschendes Ende“, sagt Valentine, die allerdings nicht verrät, wie es genau ausgeht. „Es handelt von der Kraft der Kunst. Und von dem Wunder, am Leben zu sein“.

„Fire Colour One“ ist ursprünglich der Titel eines Gemälde von Yves Klein. Und steht damit stellvertretend für ein wichtiges Element in dem Roman: Die Kunst. Denn darum dreht es sich in der Geschichte der jungen Iris, die sich mit ihren Eltern nicht besonders gut versteht. Während die geldgierige Mutter Hannah optisch einer Barbiepuppe ähnelt, scheitert der Stiefvater immer mehr an seiner Karriere als Soap-Darsteller. Zu ihrem leiblichen Vater Ernest hat Iris keinen Kontakt - bis sie die Nachricht erhält, dass er im Sterben liegt. Da wird auch Iris‘ Mutter hellhörig, die sich bereits als millionenschwere Erbin sieht. Denn Ernest ist ein Kunstsammler, der mehrere Picassos sein Eigen nennen darf. Erst Ernests Tod bringt Klarheit für Iris - über sich und über ihre Beziehung zu ihren Eltern.

Auf die anschließende Fragerunde reagieren die Schüler zunächst zögerlich. Eine Schülerin fragt, ob es einen Wendepunkt gab, als sie krank war und wieder zu schreiben begann. „Therapie“, sagte die Autorin schlicht. „Und den ganzen Tag Netflix schauen“. Das ist das Stichwort für die Schüler, die plötzlich wieder wach sind. Die Frage nach ihrer Lieblingsserie beantwortet die Autorin mit „Breaking Bad“ - und spätestens jetzt hat sie die Schüler mit ihrer lockeren und offenen Art gewonnen.

Von Tomke Aljets

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