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Kricheldorfs "In der Fremde" im DT Göttingen

Uraufführung Kricheldorfs "In der Fremde" im DT Göttingen

Mit der Inszenierung von "Homo Empathicus" von Rebekka Kricheldorf startete Erich Sidler in der Spielzeit 2014/15 seine Intendanz am Deutschen Theater Göttingen. Jetzt hat er wieder ein Kricheldorf-Stück inszeniert. "In der Fremde" hatte am Freitagabend Uraufführung im Studio des Deutschen Theaters.

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Gespräch über Sex und Drogen: Päderast (Gabriel von Berlepsch) und Barkeeper Rebecca Klingenberg.

Quelle: Pauly

Göttingen. Eine Bar ist der Ort, an dem sich allerlei seltsame Gestalten treffen. Da ist dieser Lebemann, der von seiner wohlhabenden Familie ausgehalten wird und in Fernost seine Faszination für junge Männer auslebt, für sehr junge Männer. Er glaubt, seine Drogensucht im Griff zu haben, doch das Auftauchen eines Herren, der sagt, er habe eine Villa geerbt, verunsichert ihn zutiefst. Eine Paranoia bricht sich Bahn, er fühlt sich verfolgt. Das erlebt ein ebenfalls ausgestiegener Macho mit, der sich mit dubiosen Geschäften durchschlägt. Der Barkeeper ist offenbar kurz vor dem Koma. Er habe sich das Gehirn weggesoffen, meint der Päderast.

 
Sexualität ist das zentrale Thema der Stücks. Im weiteren Verlauf tauchen diverse Gestalten auf, die mit der Liebe große Probleme haben, vor allem mit der körperlichen. Da ist diese weiße Frau um die 40, die auf jüngere Mexikaner steht. Immer wieder wird sie versetzt, betrogen und Opfer körperlicher Gewalt, doch sie kann ihrer sexuellen Orientierung nicht entkommen. Da ist dieses europäische Pärchen, er Universitätsprofessor, Mitte 40, sie seine Studentin. Sie verleben einen Rucksackurlaub in Südamerika auf den Spuren seiner Ex-Frau. Natürlich gibt es Spannungen zwischen den beiden, die sich entladen. Und da ist dieser Barkeeper, der vor allem als Barkeeper arbeitet, weil er auf sexuelle Abenteuer aus ist.
Schrille Typen sind das in einer Geschichte, die vor allem eines ist: belanglos. Die Dramen, die hier verhandelt werden, sind derart speziell, dass sie als Bedeutungsträger nicht taugen.

 
Sie bieten sich an als Folie für Schauspieler, die sich weidlich ausleben können. Vier Akteure agieren in verschiedenen Rollen und zeichnen sich durch unterschiedliche Herangehensweisen aus. Gerd Zinck und Elisabeth Hoppe spielen dicht an der Realität, während Rebecca Klingenberg und Gabriel von Berlepsch eher aufdrehen, bisweilen bis in den roten Bereich.

 
Regisseur Sidler hat all das zu einem fließenden Theaterabend aneinander gefügt und dabei sehr gewissenhaft Regie geführt. Doch die Inszenierung krankt auch ein einer Unentschiedenheit. Viel Trash trifft auf Wirklichkeitsnähe, beides zusammen verträgt sich nicht gut. Und wenn dann auch das Thema trotz der kricheldorfschen sprachlichen Eleganz weder bewegt, noch mitreißt, weil es schlicht nicht interessiert, kommt der Theaterbesucher nach 100 Minuten eher ratlos aus dem Studio.
Weitere Vorstellungen: am 29. November, sowie am 6. und 20. Dezember um 18 Uhr, am 12. und 29. Dezember um 20 Uhr im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11.

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