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Künstler aus Südostasien im Alten Rathaus

Wie von Geisterhand Künstler aus Südostasien im Alten Rathaus

Da liegt diese kleine Messingkugel nun, vielleicht zwei Zentimeter im Durchmesser, auf der viereckigen Säule unter der Vitrinenhaube. Leicht zittert sie, rollt fast unmerklich hin und her. Der thailändische Videokünstler Kaensan Rattanasomrerk hat die Kugel herstellen lassen.

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Aus Messing: Traumgeschichten des indonesischen Künstlers Entang Wiharso.

Quelle: Heller

Göttingen. Er beauftragte damit eine Werkstatt, in der Buddha-Statuen geformt werden. Das Artefakt sollte mit traditionellen Verfahren inklusive einer rituellen Segnung durch buddhistische Mönche geschaffen werden, so lautete der Auftrag. Rattanasomrerk begleitete den Arbeitsprozess mit der Kamera.

Beides, Kugel und Film, ist jetzt in der Ausstellung „Haunted Threshholds“ im Alten Rathaus zu sehen, eine Kooperation zwischen dem Kunstverein, dem Kompetenznetzwerk Dynamiken von Religionen in Südostasien (Dorisea) und dem Institut für Ethnologie und Ethnologische Sammlung der Universität Göttingen. Thema der Schau sind „Geister in der Moderne Südostasiens“.

Sind diese Wesen also im Spiel, wenn die Kugel sich wie von Geisterhand bewegt? Natürlich nicht. Das war zurückzuführen auf die zahlreichen Besucher der Vernissage, die durch den Raum liefen und den Holzboden zum Schwingen brachten. Aber eine ordentliche Portion Glauben gehört schon dazu, will man die Intention des einen oder anderen der 14 Künstler, Filmemacher und einer Künstlergruppe nachspüren.

Kunst, an denen sich die Geister scheiden

Eine Kugel, die durch den Eingriff von Menschen in etwas Spirituelles transformiert wird, Fotografien aus einem magischen Garten, die schillernde Aureolen über Kranken zeigen, Menschen in einem Fluss, die unter Hypnose oder in Trance seltsame Dinge tun: Kunst, an denen sich die Geister scheiden.

Genau an dieser Schnittstelle forschen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die an dem Projekt beteiligt sind. Sie stellen eine westliche zentrierte Moderne mit immer weiter reduzierter Transzendenz in Frage und blicken auf eine Moderne in Südostasien, die ihre Glaubens- und Geisterwelten nicht abgeschafft, sondern weiterhin ins Leben integriert hat.

Und natürlich stellt die Ausstellung auch westliche Sehgewohnheiten in Frage. Sich mit der Kunst Südostasiens zu Beschäftigen, erfordert Aufwand, gerade auch wenn sie mit historischen rituellen Gegenständen aus der Ethnologischen Sammlung konfrontiert wird. Am Ende aber werden die Besucher belohnt mit einem Einblick in eine weit entfernte Welt.

Bis Sonntag, 21. Dezember, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr im Alten Rathaus Göttingen, Markt 9
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