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„Künstler und ihre Ateliers“: zu Gast bei Göttinger Erhart Schröter

Schwingende Farbschichten „Künstler und ihre Ateliers“: zu Gast bei Göttinger Erhart Schröter

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor. Diesmal Erhart Schröter. Der Göttinger schätzt das intensive Licht des Südens.

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Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Das Licht ist für mich wichtig, ich mache Lichtmalerei, mich interessieren Farben.“ Das sagt Schröter über das Licht in seinem Atelier. Es ist ein klassisches Atelier mit Fenstern nach Norden und Osten wo nur indirektes Licht auf die Leinwände fällt. So erscheinen Farben genauso wie sie sind, ohne dass direkte Sonneneinstrahlung ihrer Wirkung verändert. Ein idealer Schaffensraum für einen Künstler, der das intensive Licht des Südens mag und dessen Bilder von starken Farben leben.

Das helle Atelier im zweiten Stock des Göttinger Künstlerhauses verfügt über einen Balkon mit Blick auf die belebte Kreuzung Prinzenstraße/Stumpfebiel. Die vorbeifahrenden Busse und Autos sind hier zu spüren und die Menschen auf der Straße zu hören.

„Wenn ich eine Idee im Kopf habe, dann gehe ins Atelier“, so Schröter. „Nach dem Frühstück breche ich auf an diesen Ort der Umsetzung.“ Als Besucher spürt man: Dies ist ein funktionaler Arbeitsort, ein Raum, der dazu einlädt, sich ganz auf das Spiel mit den Farben zu fokussieren. Kunststoffflaschen und Tuben mit Farben, Pinsel und Stifte stehen in den Regalen. Gerahmte Bilder lehnen an der Wand. Hier lenkt nichts ab vom Wesentlichen: „Ich will Stimmungen darstellen, Gefühle, Befindlichkeiten, Erlebnisse – Farbschichten, die schwingen.“

„Künstler und ihre Ateliers“: zu Gast beim Göttinger Erhart Schröter

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Zentrum seines Ateliers ist ein Tisch mit abwaschbarer Kautschuk-Tischplatte. Auf ihr tränkt er die liegenden Leinwände mit farbigen Tuschen und lässt diese durch Bewegungen verlaufen. Anschließend stellt der Göttinger das entstehende Bild auf die Staffelei. Hier formt er das Kunstwerk mit Acryl-Farbschichten, setzt Akzente mit sich gegenseitig steigernden Komplementärfarben. Er arbeitet, bis seine Bilder ihn und später den Betrachter berühren, verstören oder verzaubern.

Der 1938 in Frankfurt an der Oder geborene Künstler studierte von 1959 bis 1964 beim Bauhaus-Schüler Prof. Fritz Winter in Kassel. „Einer unserer Dozenten war der Documenta-Gründer Arnold Bode und ich habe mitgeholfen die zweite Documenta aufzubauen“, erinnert er sich an die prägenden und auch politischen Jahre an der Staatlichen Hochschule für bildende Künste. Sein Beruf war anschließend für mehr als 20 Jahre die Arbeit als Dozent für Kunst und Medien an der Universität Göttingen.

In den Neunzigerjahren entscheidet er sich endgültig dafür, vor allem freischaffender Künstler zu sein. Er beginnt mit dem, was er einst in Kassel gelernt hatte: die abstrakte Kunst. Doch seine Malerei entwickelt sich über die Jahre zu einer Gratwanderung zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Schröter: „Mein Geheimnis ist, dass es in den Bilder mehrere Ebenen gibt und sich in fast jedem Bild Menschen verstecken.“ Dabei mischt sich der Künstler in seinen aktuellen Bildern ästhetisch in die Gegenwart ein: Er malt abstrahiert Demonstranten auf dem ägyptischen Tahrir-Platz, ein anderes geradezu schreiendes Bild zeigt ein leeres Flüchtlingsboot. „Mir ist wichtig, was derzeit passiert.“

Aktuell bereitet Schröter seine Ausstellung „Ices Wide Shut“ vor. Er ist in Bewegung, verändert sich, entwickelt sich. Er hat noch viel zu sagen. In seinen Worten: „Ich bin hoch motiviert.“

Von Udo Hinz

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