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„Malen ist sehr, sehr aufregend“

Künstlerateliers in der Region: Dietmar Robert Schröter „Malen ist sehr, sehr aufregend“

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor. Heute: Dietmar Robert Schröter.

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Schröter bei der Arbeit in seinem Atelier.

Quelle: Hinzmann

Ballenhausen. „Denkmal für alle Gequälten“ ist auf dem kleinen Objekt, einem Bündel gebrauchter Pinsel, zu lesen. „Wenn ich richtig schaffe, sind zwei, drei Pinsel ein bisschen kürzer an einem Vormittag“, erklärt Dietmar Robert Schröter. Der 80-Jährige ist ein Künstler von bemerkenswerter Schaffenskraft. Sein Gesamtwerk umfasst etwa 800 Bilder.

Lichtdurchflutetes Atelier

Das Atelier ist lichtdurchflutet und über zwei Etagen hoch. Eine Leiter führt zu einer Galerie empor. An einer Wand sind Arbeitstische und Werkzeuge, an der gegenüberliegenden Wand Regale und zahlreiche Bilder zu sehen. Ein Nebenraum erinnert an eine Bibliothek, allerdings von oben bis unten mit Bildern statt Büchern gefüllt. Wohnhaus und Atelier tragen Schröters Handschrift, er hat die Architektur selbst entworfen.

Was ist ihm wichtig in seiner künstlerischen Arbeit? „Eine Selbstvergewisserung ist das Motiv, das mich treibt und vielleicht auch die Sehnsucht nach dem ultimativen Bild für meine Möglichkeiten und meinen Vorstellungen“, erklärt Schröter. Und er ergänzt noch einen wichtigen Aspekt: „Diese Freiheit, die ich habe, die ist außerordentlich. Ich kann tun, was ich tun will, und keiner spuckt mir in die Suppe. Das ist eine selbstbestimmte Arbeit, und sie ist ganz wichtig.“

Schon als Fünfjähriger von Farben fasziniert

Schon früh hat Schröter die Kunst und vor allem die Malerei für sich entdeckt. Auf dem elterlichen Balkon bei einem „wunderschönen Blick auf das Panorama des Riesengebirges“ sei er als etwa Fünfjähriger fasziniert gewesen von den wechselnden Farben und Stimmungen, den Unterschieden in Licht und Atmosphäre. „Die unterschiedlichen Erscheinungsweisen ein und desselben Gegenstandes“ gaben ihm schließlich den Impuls, das Gesehene mit seinem Tuschkasten zu malen.

Zehnjährig kam Schröter mit seiner Familie in das Göttinger Umland. Ein Studium der Bildenden Kunst absolvierte er in Göttingen, Hannover und an der HfbK Braunschweig. Bis 1988 lehrte er an der Pädagogischen Hochschule in Göttingen. Seit fast 30 Jahren ist er nun als freischaffender Künstler tätig. Die Acryl-Öl-Malerei auf Leinwand ist sein vorrangiges Medium, das ihm auch die Chance biete, „bis zu einem gewissen Grad immer wieder mal korrigierend dran zu gehen“. Zudem gehören Aquarellmalerei, Fotografie, Collagen und Montagen zu seinem künstlerischen Spektrum.

Material als Ausgangspunkt

„Für mich ist es in den meisten Fällen so, dass ich nicht von einer bestimmten Situation ausgehe, sondern vom Material und vom Umgang mit dem Material und von den Möglichkeiten, die das Werkzeug und das Material bieten. Also das Material hat schon eine Eigenbedeutung“, erläutert Schröter in einem Kurzfilm von Wolfgang Würker.

Neben Landschaften und Porträts malt Schröter auch abstrakte und abstrahierende Bilder, die zumeist Assoziationen an Gegenständliches wecken. Bilder von großer Intensität, die sich durch das sensible Gespür des Künstlers für Komposition, für raffinierte Farbstrukturen und Oberflächen von großem haptischem Reiz auszeichnen. „Für mich muss ein Bild mehr sein und gleichzeitig auch weniger als die Realität auf die es Bezug nimmt, wenn es Landschaft ist“, sagt Schröter.

Malen elementare Betätigung

„Das Malen war ohne Ausnahme über Jahrzehnte, im Vorschulalter schon und bis heute, meine ganz elementare Betätigung. Wie atmen oder wie essen, das gehört mit dazu“, beschreibt Schröter den Stellenwert seiner künstlerischen Arbeit. „Der Vorgang des Malens ist für mich etwas sehr Schönes. Zu malen ist schon sehr, sehr aufregend.“

Von Karola Hoffmann

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