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Künstlerin Andrea Damp stellt in Galerie Ahlers in Göttingen aus

Künstlerin aus Berlin Künstlerin Andrea Damp stellt in Galerie Ahlers in Göttingen aus

Der Mensch ist sehr erfinderisch, wenn es darum geht, sich das Leben bequemer zu machen. Vielleicht ist das sogar der häufigste Antrieb dafür, technische Neuerungen zu entwickeln. Dabei kann Anstrengung und Strapaze etwas sehr wertvolles sein. „Ich will es mir beim Malen nicht zu einfach machen. Deswegen fange ich oft mit Farben an, die ich nicht mag. Mit Lila“, sagt Andrea Damp.

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Traumhaft und ein wenig verwunschen: die großformatigen und vielschichtigen Bilder von Andrea Damp.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Die Künstlerin aus Berlin stellt zur Zeit unter dem Titel "par impar" in der Galerie Ahlers aus.Fast alle gezeigten Werke wurden 2015 vollendet, so dass hier das jüngste Schaffen der Malerin zu sehen ist. Dabei gehören alle Arbeiten zu einer ganz neuen Phase, erzählt Damp.

„Du machst jetzt einfach mal ein Bild, das du sehen willst“, erklärt sie ihren Antrieb, und verweist auf das Bild „Wirklichkeiten“. Es zeigt eine Art Fantasieraum in bunten Farben, mit fremdartigen Pflanzen und einer weiblichen Figur in der rechten unteren Ecke, die aus dem Bild herauszulaufen scheint, gleichwohl aber nach hinten in die Bildmitte schaut. „Dieser Blick lenkt sich in die Weite, und man weiß nicht was passiert“, beschreibt Damp. Eine gemalte Geschichte, die an ihrer spannendsten Stelle einfach stoppt.

Dieses Moment ist charakteristisch für Damps Kunst. In ihren Bildern passiert vieles, aber nichts Konkretes. Oft überzieht sie ihre Bilder mit unterschiedlichen Strukturen aus dem Reich der Natur, deren genaue Identifizierung aber nicht gelingen mag. Eine Liane oder ein Haarzopf? Eine Form aus dem Pflanzenreich oder etwas, das beim Häuten von Insekten übrig bleibt? Dazwischen setzt sie Tierformen, Vögel, noch häufiger aber Körperteile des Menschen, Hände, Beine, Gesichter.

Automatisch bleibt der Blick an diesen Menschenformen hängen und unweigerlich stellen sich Fragen. Wer ist dieser Mensch und was tut er da? Doch Damps Menschenfiguren sind so stark in das Gewächs der anderen Motive integriert, und überhaupt nur in Teilen zu sehen, dass eine explizite Handlung nicht zu erfassen ist. Sie tun vielleicht genau das, was alles andere auf dem Bild auch tut. Keine Opposition, kein Mensch in der Natur, sondern der Mensch ist die Natur.

„Die Figur ist weg“, beschreibt Damp die neue Phase ihrer Malerei, und ein wenig Wehmut klingt in ihrer Stimme. „Dabei hat sie immer so geholfen.“ In vielen ihrer Bilder ist die Fokussierung auf eine Menschenfigur als Handlungsträger nun der Bestimmungslust von Details in der Menge gewichen. „In meinen Bildern mache ich immer Angebote, aber es gibt keine Antworten“, sagt Damp.

Das macht die Bilder rätselhafter und schwieriger zu durchdringen. Aber auch sinnlicher. Und so wie die Künstlerin ein Bild mit Lila beginnt, um sich selbst zu fordern, fordert sie auch die Betrachter und weckt bei ihnen die Lust, etwas Verborgenes in ihren Bildern zu entdecken. 

Bis Sonnabend, 6. Juni, in der Galerie Ahlers, Düstere Straße 21. Die Galerie ist dienstags bis freitags von 10 bis 13 Uhr, sowie von 15 bis 18 Uhr, und sonnabends von 10 bis 13 Uhr geöffnet.

Von Daniela Lottmann

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