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„Küsse, Schüsse & Omeletts“ im ThOP

Göttingen „Küsse, Schüsse & Omeletts“ im ThOP

Warum nicht mal eine Komödie? „Küsse, Schüsse & Omeletts“ heißt das Bühnenstück, das Peter Schubert auf die Bühne im studentischen Theater im OP (ThOP) gebracht hat. Schade nur, dass der 60er-Jahre-Klamauk in seiner Inszenierung zum einen wenig zündete, zum anderen sehr bieder und verstaubt wirkt.

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Laura Apel als Monica Fisher und Thomas Rühling als Cadwallader.

Quelle: r

Göttingen. Der Brite Peter Fisher (Jens Tödter) ist Autohändler in Berlin. Die Fahrzeugmarke, die er vertritt, ist nicht sehr gefragt. Das Geschäft läuft schleppend. Fisher ist verheiratet und will sich gerade von seiner Geliebten trennen. Als an seinem Geburtstag nicht nur ein vollbusiges Geburtstagsgeschenk eines Freundes an seiner Haustür klingelt und wenig später ein Geheimagent in seiner Wohnung auftaucht, wird die Situation langsam unübersichtlich. Der Finstermann hat Fishers Wohnung ausgesucht, weil sie unmittelbar an der Berliner Mauer liegt. Hier will er einen brillanten Wissenschaftler aus dem Ostblock treffen, der ihm spionagemäßig Pläne für eine revolutionäre Autobatterie übergeben will - ein Milliardengeschäft.

Julia Ruge als Mitzi von Zeppelin

Julia Ruge als Mitzi von Zeppelin.

Quelle: r

Fisher stolpert von einer (Frauen-)Falle in die nächste und muss dem Agenten, seiner Ehefrau und den beiden anderen Damen immer wieder neue Ausreden und Notlügen auftischen. Türen klappen, Menschen kommen auf die Bühne, treten wieder ab, verpassen sich oder treffen unvermittelt aufeinander. Und am Ende geht es irgendwie gut aus.

Der Fantasie freien Lauf gelassen

Solche Komödienkonstellationen sind immer konstruiert. Doch die Autoren Michael Pertwee und John Chapman haben ihrer Fantasie so richtig freien Lauf gelassen, sie haben überdreht. Das mag ein Grund dafür sein, dass das Stück selten auf Theaterspielplänen auftaucht, und wenn, dann eher von Laienbühnen aufgeführt wird. Ein anderer Grund: Die Komödie ist arg angestaubt. Wenn eine der Figuren Lesby heißt und als „kesser Vater“ bezeichnet wird, klingt das komplett aus der Zeit gefallen. Hier ist ein Regieteam gefordert, den Rotstift anzusetzen.

Staubig ist nicht nur das Stück, auch das Bühnenbild folgt dieser Vorgabe. Schreibtisch, Bartisch, Sitzecke, Wandschrank, Eingangs- und Balkontür: Hier regiert ein allzu schlichter Naturalismus.

In diesem Szenenbild versuchen die Akteure, auf Touren zu kommen. Lange braucht Jens Tödter, um in seine Rolle als fintenreicher Autohändler Fisher zu kommen. Als er drin ist, übernimmt er lässig die Führung. Die Frauenfiguren – Laura Apel spielt Fishers Ehefrau Monica, Beeke Doßenbach gibt die Geliebte Heidi und Julia Ruge die Geburtstagsstripperin Mitzin – zeigen viel Haut, aber wenig Facetten, was in vielen Situationen auch der Stückvorlage geschuldet ist. Thomas Rühling ist als mordlustiger Agent Cadwaller überraschend fahrig, und am Ende bringt Lesby (Kerstin Böst) noch ein wenig mehr Verwirrung.

Tempo und Timing fehlen über weite Strecken

Vor allem aber krankt die Inszenierung über weite Strecken an mangelndem Tempo und Timing. Für eine Komödie ist beides unverzichtbar. Einige Striche im Textbuch, immer mal wieder aufs Gaspedal getreten, den Abend von gut zwei Stunden auf 90 Minuten getrimmt – Eingriffe, die vielleicht geholfen hätten. Amüsiert hat sich das Premierenpublikum nach anfänglichem Warmkichern allerdings dennoch.

Weitere Vorstellungen: 11., 15., 16., 17., 19., 20., 22., 24., 25. und 26. August um 20.15 Uhr im Theater im OP, Käte-Hamburger-Weg 3 in Göttingen. Kartentelefon: 0551/397077.

Von Peter Krüger-Lenz

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