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„Kultur im Kreis“: Konzert in Adelebsen

Philipp Mathmann „Kultur im Kreis“: Konzert in Adelebsen

Ein außergewöhnliches Konzert in mittelalterlichem Ambiente: Am Sonntag gastierte im Rittersaal der Burg Adelebsen der Sopranist Philipp Mathmann zusammen mit der Flötistin Darja Großheide und dem Cembalisten Markus Märkl. Mitgebracht hatten sie barocke Musik von Händel und Pepusch.

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Quelle: GT

Adelebsen. Männliche Sopranisten – gibt es so etwas? Sehr wohl: Falsettierende Männerstimmen gibt es, wie Mathmann erläuterte, in den Lagen Sopran, Mezzosopran und Alt. Wobei Sopranisten allerdings vergleichsweise selten sind.

Mathmann kennt sich da auch theoretisch besonders gut aus. Der 29-Jährige hat nämlich parallel zu seiner musikalischen Ausbildung – unter anderem bei Kai Wessel, Barbara Schlick und Emma Kirkby – Medizin studiert, ist seit 2013 approbierter Arzt und arbeitet an der Berliner Charité in der Klinik für Audiologie und Phoniatrie.

Dass der Arzt und Sänger neben der Theorie die Praxis perfekt beherrscht, zeigte dieser Abend der Konzertreihe „Kultur im Kreis“ sehr eindrucksvoll. Gleich in der Kantate „Cleora sat beneath a shade“ des Londoner Händel-Zeitgenossen Johann Christoph Pepusch konnte er eindrucksvoll vorführen, mit welcher Leichtigkeit und Weichheit er die hohen Stimmlagen nutzt. Dabei besitzt seine Stimme eine beachtliche Kraft, die naturgemäß nur in den untersten Lagen ein wenig nachlässt.

Besondere lyrische Qualitäten bewies er in zwei der Deutschen Arien von Händel, „Meine Seele hört im Sehen“ uns „Süßer Blumen Ambraflocken“. Das waren wunderschön gestaltete, fein gerundete Klänge – einzig in der Textartikulation könnte Mathmann hier und da noch etwas nachjustieren. Auch in der zweiten, emotional überschwänglichen Pepusch-Kantate „When Love’s soft passion“ bezauberte der Sänger mit den vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten seiner wohllautenden Stimme die Zuhörer.

Mit der brillanten Flötistin Darja Großheide – auf der Traversflöte wie auf der Blockflöte gleichermaßen virtuos und stilsicher – und dem wieselflinken, manchmal etwas robust intonierenden Cembalisten Markus Märkl hatte Mathmann zwei stets zuverlässige Instrumentalpartner. Sie präsentierten sich auch solistisch: Märkl mit der G-Dur-Chaconne von Händel, die er mit gleichsam improvisatorischen Passagen belebte, Großheide mit zwei ausdrucksstark gestalteten Sonaten von Händel und Pepusch. Für den begeisterten Schlussapplaus revanchierten sich die Gäste mit Macheaths Galgen-Lied „Tyburn Tree“ aus Pepuschs „Beggar’s Opera“ als Zugabe.

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