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Rebellische Akte in Textil

Ausstellung von Berenice Güttler Rebellische Akte in Textil

Die Künstlerin Berenice Güttler eröffnet am Sonntag, 27. August, ihre Ausstellung „Fitting“ im Alten Rathaus in Göttingen. Mitgebracht aus ihrem Berliner Atelier und einem Stipendiumsjahr in New York hat sie neben Westen und Hosen auch Zeichnungen und Stoffcollagen.

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Berenice Güttler bereitet ihre Ausstellung „Fitting“ im Alten Rathaus in Göttingen vor.

Quelle: Peter Heller

Göttingen. Kartons stehen gestapelt übereinander, an einer Garderobe hängen ein paar Plastik-Kleidersäcke. Die Westen darin lassen sich nur erahnen. Noch sieht es chaotisch und ziemlich leer aus im Obergeschoss des Alten Rathauses – doch am Sonntag, 27. August, soll dort eine Ausstellung eröffnet werden. Die Ausstellung „Fitting“ von Berenice Güttler, die zurzeit alles dafür tut, dass die Wände und Räume dort bald nicht mehr inhaltslos sind.

Mitgebracht hat die 33-Jährige dafür nicht nur einiges aus ihrem Atelier in Berlin, sondern vor allem viel aus New York. Um genau zu sein Hosen und Westen. Und einige Stoffcollagen. Denn in der Metropole Amerikas hat die Frau, die sich selbst einen „Textil-Fetisch“ zuschreibt, das vergangene Jahr verbracht. Ein Residenzstipendium des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und der Kultur-Sparkassenstiftung hat sie dorthin gebracht.

„Arbeiten von New York durchflutet“

„Meine Arbeiten sind von New York total durchflutet“, sagt Güttler. Der Stadt könne man sich einfach nicht entziehen. „Die Trucks, die vor dem Atelier in Brooklyn langfahren, sind ungefähr die lautesten Trucks der Welt“, erzählt sie scherzend.

Neben den lauten Trucks hätte in New York aber vor allem der Garmant District künstlerisch eine große Rolle für sie gespielt – das Textil-Stadtviertel in Manhattan. Von dort habe sie nicht nur viele Ideen mitgebracht, sondern vor allem auch Stoffe. „Das ist eine riesige Fundgrube, das kennt man von hier gar nicht, da musste ich erstmal aus dem Staunen rauskommen, bevor ich Kaufentscheidungen treffen konnte“, sagt die junge Frau mit dem burschikosen Kurzhaarschnitt – den sie sich übrigens neu schneiden lassen habe, nachdem sie in einer Arte-Serie eine Polizistin mit einem solchen Haarschnitt gesehen habe.

Möglichkeiten textiler Techniken

Dünn sind die meisten Stoffe, die die gelernte Schneiderin später vor allem zu Westen und Hosen verarbeitet hat. Aber eben nicht zu solchen, die später im Laden verkauft und getragen werden können, sondern zu solchen, die in einer Ausstellung hängen oder liegen – und für die Auseinandersetzung mit Möglichkeiten textiler Techniken und Materialien stehen.

„Ich hatte in New York das erste Mal die Muße, mit Schneiderregeln zu brechen und gegen innere Widerstände anzugehen“, erzählt die gebürtige Hannoveranerin. Die Ausbildung habe sie damals angefangen, weil das textile Material sie einfach fasziniert habe – das ist es auch heute noch der Fall, wie ihre Ausstellungsstücke zeigen. Aber das ständige Wiederholen der gleichen Vorgänge, beispielsweise des Annähens eines Ärmels, hätten sie gestört. „Da sind mir die Sicherungen durchgebrannt“, sagt die Künstlerin lachend.

Befreiungsschlag gegen die Schneiderregeln

Das Kleidungsstück der Weste habe sie für ihren Befreiungsschlag gewählt, weil es das einfachste Kleidungsstück zum Nähen sei. „Ich habe Zeichnungen und Schablonen erstellt und damit auf den Stoffen gespielt.“ Einen „herrlichen Regelverstoß“ nennt sie es, einfach mal nicht sparsam mit dem Stoff umgegangen zu sein, die Schablone schräg aufgelegt und gegen den Fadenlauf geschnitten zu haben, sodass der Stoff schnell ausfransen würde, würde man ihre Kleidungsstücke wirklich anziehen.

Von „kleinen rebellischen Akten“ spricht Güttler, wenn sie Farben, Muster oder Stoffe kombiniert, die in der herkömmlichen Mode so nicht zusammengebracht würden. Nach ihrer Schneiderlehre hat Güttler Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig studiert, doch vom Schneidern und den Textilien ist sie nie weggekommen.

Neben den Kleidungsstücken, die nicht nur von der absichtlich unfertigen Verarbeitung so aussehen, als wenn sie nicht getragen werden könnten, sondern auch auf den ersten Blick nicht zueinander passende Muster und Farben vereinen, hat Güttler auch Zeichnungen und Stoffcollagen mitgebracht. Einen „zeichnerischen Vorgang des Ausschneidens“, nennt sie es, wenn sie aus ungenutzten, zugeschnittenen Stoffresten Bilder erstellt. Und bricht die Regel des sparsamen Umgangs mit dem Stoff damit doch nicht ganz.

Eröffnung am Sonntag, 27. August

Die Ausstellung „Fitting“ von Berenice Güttler wird am Sonntag, 27. August, um 11.30 Uhr im Alten Rathaus, Markt 9, eröffnet und ist anschließend bis zum 15. Oktober dienstags bis sonntags jeweils von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Am Sonntag, 24. September, und Sonntag, 1. Oktober, werden kostenlose Führungen mit der Kunsthistorikerin Kathrin Schäfer angeboten.

Von Hannah Scheiwe

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