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Kunst aus Schweden im Göttinger Apex

Malerei Kunst aus Schweden im Göttinger Apex

Zeitgenössische Kunst aus Schweden zeigt die Galerie Apex bis zum 28. Juni anhand von zwei künstlerischen Positionen. Malerei, Installationen und Videoarbeiten von Lisa Stålspets und Emanuel Bernstone sind zu sehen.

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 Die kleinen architektonischen Verschiebungen und Mehrfachprojektionen lassen die gemalten Räume Emanuel Bernstones noch unwirklicher erscheinen, als ihre Leere es ohnehin schon vermöchte in gekachelter, abgezirkelter Klarheit und den verschiedenen Tonlagen abgemischten Graus. Unheimlich und zum Teil unheimlich schön wirken die leeren Flächen und Winkel als spazierten sie fern jeden Raummeters auf dem Grat zwischen Abstraktion und Figuration umher, immer bereit, in eine Poetologie des Verlassenseins, vielleicht des nie Gefundenseins, umzukippen. Angesichts dieser Oberflächen erscheint die in absichtsvoll kindlich-naivem Gestus gestaltete Malerei Lisa Stålspets in Form, aber auch im Inhalt überaus gegensätzlich. In „Nightmare“ bekommen Büsche Füße, schleichen sich an, und Tannenzapfen stolzieren auf Streichholzbeinchen umher. Die Tiefen zweier Augenobjekte bergen den abgrundtiefen Blick in die Natur – auf ein Bäumchen und bieten damit Anlass und Grund der Interpretation: aus den verborgenen Tiefen sollen die Bilder kommen, so wirkt es zumindest.

Ein Video zeigt zwei Menschen, die, gehüllt in Amöbenartige Kostüme, ihrer Arme beraubt, einen Tanz zu den seltsam hohen Klängen einer zirpenden Musik vollführen. Sie nähern sich an, wackeln mit ihren Oberleibern, tanzen, liegen, kugeln über den Boden. So richtig verstehen sie sich nicht, obwohl sie doch offensichtlich der gleichen und noch dazu einer spracharmen Art von Traumtieren anzugehören scheinen. Ein schwedischer Gruß von Feen und Elfen? Oder entlarvt dieser Blick nur das Vorurteil vermeintlich nationaler Zuordenbarkeit?

Interesse provozieren

Mit den gleichen Argumenten, mit denen in Hannover die Leistungsschau „Made in Germany“ begründet wurde, rückt Kurator Christian Schindler auch hier den Titel „swedish contemporary art“ ins rechte Licht: keinen Überblick solle die Ausstellung bieten, auch keine stellvertretenden exemplarischen Positionen, aber Interesse provozieren und einen von vielen möglichen Blicken auf zeitgenössische Kunst, zufällig aus Schweden, bieten. 

An einer Stelle treffen sich dennoch die so unterschiedlichen Gemälde der beiden schwedischen Künstler – auf inhaltlicher Ebene: die Zwischenräume, die menschenleer und unbehaust im Abseits liegen, Vorhölle und Operationssaal in einem sein könnten, von einem solchen Raum spricht auch Stålspets bei der Beschreibung eines Albtraumes in einem Gespräch mit einer Analytikerin. Das per Video aufgezeichnete Gespräch geht auf scheinbar irrationale Weise doch theoretisch an das Thema heran. Der Zwischenraum gebiert Furcht und Lust zugleich. Im Bild, im Video, in der Ausstellung.

Von Tina Lüers

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