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Kunstsammlung der Uni Göttingen befasst sich mit starken Frauen

„Schönheit. Macht. Mutterschaft.“ Kunstsammlung der Uni Göttingen befasst sich mit starken Frauen

Starke Frauen – eine Wortkombination, die seltsam ungewohnt erscheint. Bedauerlich, denn obwohl die Frauenbewegung seit Jahrzehnten fester Bestandteil des politischen Diskurses ist – wer vom starken Geschlecht spricht, meint noch immer die Männer – zu Unrecht. Darauf verweist eine Ausstellung in der Kunstsammlung der Universität.

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Hinter einer Rodin-Bronzeskulptur: Salomea Gunja, Anita Schmidt-Jochheim und Verena Suchy (von links).

Quelle: Heller

Göttingen. Die gemeinsame Schau der Kunstsammlung und der Sammlung Heinz Kirchhoff trägt den Titel „Schönheit. Macht. Mutterschaft. Frauenbilder von Botticelli bis Niki de Saint Phalle“, der inspiriert ist von den Internationalen  Händelfestspielen, die unter dem Motto „Heldinnen!?“ stehen. Zur Eröffnung kamen mehr Besucher, als der Raum fassen kann.

Gezeigt werden Bilder und Skulpturen von Herrschaftssymbolen bis zu kultischen Gegenständen außereuropäischer Volksstämme wie etwa die zwei kleinen Mutterschaftsfiguren aus Thailand. Sie stammen aus dem 14. oder 15. Jahrhundert und sind aus glasiertem Ton gefertigt. Der Ritus sah vor, ihnen vor einer Geburt den Kopf abzuschlagen, was Dämonen und böse Geister vertreiben sollte. Verlief die Geburt glücklich, setzte man die Köpfe wieder an.

Durch kleine Texttafeln gelingt es der Ausstellung sehr gut, solche Erklärungen oder Informationen zu den dargestellten Figuren zu vermitteln. Mutterschaft und die Fähigkeit, Leben zu spenden, sind dabei ein durchgängiges Thema. Das zeigt zum Beispiel ein Glaskasten, der Göttinnenfiguren aus unterschiedlichen Kulturen versammelt. Fast alle stehen für Fruchtbarkeit oder wurden als sich kümmernde Muttergottheit verehrt. Das zeigt Parallelen. So erinnert die ägyptische Himmels- und Muttergöttin Hathor an christliche Darstellungen von Maria mit dem Jesuskind.

Gerade durch das Zeigen solcher Zusammenhänge zeichnet sich die Ausstellung aus. Bekanntes und Fremdes stehen einander gegenüber. Dabei werden Frauenfiguren aus unterschiedlichen Kulturen, Erdteilen und Zeiten versammelt, die trotz ihrer Differenz auf ein elementares und universales menschliches Konzept hinweisen: auf die Mutterliebe. Bei der Ausstellung zeigt sich dieses Gefühls am eindrucksvollsten bei einer Plastik von Auguste Rodin: „Mère et enfant“. Neben dieser Plastik zeigt die Ausstellung auch Werke anderer Künstler vorderster Riege wie etwa die „Schwarze Venus“ von Niki de Saint Phalle.

Mutterschaft bleibt aber nicht das einzige Thema. Ein Kupferstich weist auf eine starke Gegenfigur zu einer liebenden und aufopfernden Mutter hin: die englische Königin Elisabeth I., die als „jungfräuliche Königin“ in die Geschichte einging und niemals heiratete, weil sie ihre Macht nicht teilen wollte. Mit sämtlichen Herrschaftssymbolen präsentiert sie ihren Einfluss – eine starke Frau.

Die Ausstellung „Schönheit. Macht. Mutterschaft.“ ist bis zum 13. September sonntags von 10 bis 16 Uhr in der Kunstsammlung der Universität Göttingen, Weender Landstraße 2, geöffnet. Am Sonntag, 17. Mai, spricht Anita Schmidt-Jochheim 11 Uhr über „Heldinnen des Alltags“. Ab 12 Uhr und am 24. Mai um 11 Uhr werden Führungen angeboten.

Von Daniela Lottmann

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