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Kurzinszenierungen von Studierenden der Hochschule „Ernst Busch“

30. Figurentheatertage Kurzinszenierungen von Studierenden der Hochschule „Ernst Busch“

Eine besondere Aufführung haben Besucher des Jungen Theaters am Sonntag im Rahmen der 30. Göttinger Figurentheatertage erlebt. Studierende der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“, Abteilung Puppenspiel, präsentierten Kurzinszenierungen.

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Mit dem Auto aufs Land: Antiquitätenhändler Mr. Boggis, geführt von Puppenspiel-Studenten.

Quelle: Heller

Göttingen. Einem Szenenstudium mit Klappmaulpuppen folgte ein experimenteller zweiter Teil. „Wir versuchen zusammenzufassen, was an Intentionen und Etüden im Grundlagenseminar „Animation“ entstanden ist und hier zu improvisieren“, erläuterte Prof. Markus Joss.

Zunächst geht es mit Antiquitätenhändler Mr. Boggis aufs Land, der dort als Pfarrer verkleidet nach kostbarem Mobiliar sucht. Ein weißer Tisch, eine schwarze Rückwand und ein Lenkrad. Tanja Wehling, Karin Herrmann und Daniil Shchapov sind mit Klappmaulpuppe Mr. Boggis unterwegs aufs Land. Lenkrad, Blinker, Fahrgeräusche, Radio, in die Kurve gehen, abbremsen: eine rasante Autofahrt. Das Ensemble arbeitet fein und dicht miteinander. Die Zuschauer sind mitten drin in Roald Dahls Kurzgeschichte „Des Pfarrers Freude“. Eine kleine hintergründige Geschichte bei der Mr. Boggis auf die Bauern Rummins und Claud trifft – und vermeintlich auf das große Glück.

Köstlich, wie die drei Spieler auf der Bühne wirbeln. Die halbmannshohen Puppen vor sich, verschmelzen sie mit den Figuren und erwecken sie zum Leben. Mit heiseren, tiefen Stimmen animieren Wehling und Herrmann die tumben Bauern, Shchapov verleiht Mr. Boggis Hinterlist. Gezeigt wird eine tolle Ensemblearbeit, eine souveräne Inszenierung mit Ausstrahlung, Witz und Spannung. Das Publikum bedankt sich mit donnerndem Applaus.

Eine Mischung aus kleinen Vorgaben und freier Improvisation markiert den zweiten Teil. Leonie Euler, Konrad Kolodziej und Clara Fritsche sind Studierende des ersten Studienjahres, und Joss gibt ihnen Aufgaben für vier kurze Szenen. Das „Meer der Dinge“ steht im Mittelpunkt einer spontan erzählten Geschichte rund um einzelne Objekte. Bei der zweiten Inszenierung sind die Studierenden gefordert, gemeinsam eine Puppe im Kinderschneeanzug und mit Luftballonkopf zu animieren. Auf der Bühne agiert ein entzückendes Geschöpf mit viel Eigenleben.

Bei der „Vier-Minuten-Puppe“ gilt es, diese aus Gegenständen wie Schlauch und Taucherflosse zusammenzubauen, bevor sie nach „einem Höhepunkt stirbt“. In der abschließenden Inszenierung führen zwei Spieler eine Figur, ein dritter Spieler leiht von außen seine Stimme. Vier beeindruckende Einblicke wie im Studium gearbeitet wird. Frage um Frage zeigten die Zuschauer bei der abschließenden Diskussion großes Interesse an der Arbeit der Figurenspieler.

Von Karola Hoffmann

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