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Lachen halal in der Stadthalle Göttingen

„Rebell Comedy“ Lachen halal in der Stadthalle Göttingen

Woran erkennt man eine Rebell-Comedy-Show? Die Schlange vor der Göttinger Stadthalle ist breiter als länger. Die sieben Comedians der „Rebell Comedy“ haben sich in der ausverkauften Stadthalle durch den Abend gewitzelt und erklärt, warum Marokkaner Klumpen und Deutsche Schlangen bilden beim Warten.

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Die „Rebell Comedy“ hat sich in der ausverkauften Stadthalle durch den Abend gewitzelt und erklärt, warum Marokkaner Klumpen und Deutsche Schlangen bilden beim Warten.

Quelle: R

Göttingen. Die halbe Welt ist gekommen: Das ergibt die Abfrage der Nationalitäten von Moderator Khalid Bounouar. „Wo sind die Türken? Wo sind die Kurden? Wo sind die Libanesen?“, ruft er, gefolgt von tosendem Applaus und begeisterten Rufen. Die Liste will nicht enden und eigentlich scheinen alle da zu sein, auch die Albaner, auch die Ägypter, die Griechen, die Spanier, die Deutschen.

Die Nationalität, die Herkunftssprachen und –kulturen sind Thema der Rebell Comedy. Dabei wollen sie keine Stereotypen nachspielen. Sie wollen nicht „den Türken spielen“ und vom Teleprompter ablesen, was andere ihnen einflüstern. So stellt es Babak Ghassim dar. Er trägt ein Gedicht vor und fordert: „Sie sollen endlich erkennen, welches Universum sie in mir verkennen.“ Ghassim und die Rebell-Comedy-Gruppe wollten Kunst machen und dabei sie selbst bleiben.

Alain Frei aus der Schweiz ist nicht Deutscher, betont er: „Ich bin auch Ausländer.“ Dann will er wissen, wie der Helfer vom Nikolaus heißt. „Mehmet“, schallt es zurück. Den AfD-Wählern teilt er mit: „Wenn du keine Frau abkriegst, dann liegt das nicht an Ausländern, sondern daran, dass du ein hässlicher Spasti bist.“

Die Comedy-Gruppe geht auf Tuchfühlung mit dem Publikum. „Wie heißt du, mein Freund?“, will Khalid von vielen Zuschauern wissen. Danach macht er sich über sie lustig: „Du hast einen Porsche? Den hast du aber nicht von Halal-Geld gekauft.“ Die Spass-Gruppe spottet nie bösartig und immer mit integrativem Hintergedanken. Sie thematisieren Unterschiede, persiflieren die Eigenheiten ihrer kulturellen Wurzeln. Aber im Jubel und Lachen sind alle gleich laut. Die Stadthalle bebt.

„Mashallah, ihr seid gewachsen“, begrüßt Pu sein Publikum. Er erklärt die Integration von Flüchtlingen und weshalb wir froh sein können über alle Neuankömmlinge. Afghanische und marokkanische Küche findet Pu super. „Seid mal dankbar, dass nicht Skandinavien angegriffen wurde. Knäckebrot ist zwar haltbar, aber schmeckt nach einem Jahr immer noch nicht“, erklärt er die kulinarische Bereicherung. Und zum Glück würden keine Chinesen nach Deutschland flüchten. „Stellt euch mal vor, ein Prozent der Chinesen kämen zu uns. Die müssten wir Huckepack nehmen, sonst wär kein Platz“, rechnet Pu vor. Die einfache Lösung für alle Integrationsfragen lautet nach Pu: „Mischehen. Die Welt braucht keine Iraner oder Türken. Schwarze Kurden – das wär mal interessant.“

Als Zugabe gibt es noch „Du bist mein Visum“, ein Lied über Frauke Petry. Der Song erscheint am ersten Januar des neuen Jahres. Khalid gibt noch eine Gedächtnisstütze: „Für alle Kanaken: Merkt euch einfach euer Geburtsdatum.“ Unter großem Beifall entlässt das Publikum die Comedy-Rebellen.

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