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Lässige Lockerheit

Bodo Wartke mit dem Capital Dance Ochestra in der Stadthalle Lässige Lockerheit

Das Publikum kennt und liebt ihn solo mit einem Flügel auf der Bühne. Für sein Programm „Swingende Notwendigkeit“ hat sich Klavierkabarettist Bodo Wartke Verstärkung geholt: das Capital Dance Orchestra. Dafür erntete er am Mittwoch in der voll besetzten Stadthalle Standing Ovations.

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Am Sonnabend, 16. Juli, gastiert Bodo Wartke mit seinem aktuellen Soloprogramm „Was, wenn doch?“ in der Mehrzweckhalle Vellmar.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Wer singt und sich dabei selbst am Flügel begleitet, hat eingeschränkte Bewegungsmöglichkeiten. Nun hat sich Wartke seine Kompositionen umarrangieren lassen. Was vorher zehn Finger auf 88 Tasten spielten, wird jetzt von einem 13-köpfigen Orchester in Berliner Ballsaal-Besetzung präsentiert, mit drei Geigen, je drei Holz- und Blechbläsern sowie einer vierköpfigen Rhythmusgruppe mit Schlagzeug, Bass, Klavier und Gitarre. Er wolle „die neu gewonnene Freiheit nutzen“, erklärte Wartke seinen Fans.

Die nutzt er weidlich. Zwar hatte er auch schon früher mal gezeigt, dass er tanzen kann. Aber jetzt macht er das einen ganzen Abend lang so perfekt, dass man sich verwundert die Augen reibt, denn dass sein zweifellos großes Showtalent so weit reicht, war zuvor nicht zu ahnen. Gern präsentiert er in seinen Liedern den hoch eingesprungenen Schlusston, bewegt sich bei aller Präzision mit einer bewundernswert lässigen Lockerheit.

Gewiss geht etwas gegenüber den Solo-Auftritten verloren. Wartkes Lieder wirken nicht mehr so intim, bisweilen verlieren auch die Texte im lautstarken Tutti an Verständlichkeit. Dass die Zuschauer auch sehr gern den anderen Wartke sehen wollen, den Mann am Klavier, das merkt man dann, wenn bei den zwei, drei eingestreuten Solonummern zustimmender Applaus aufbraust, als sich Wartke selbst ans Klavier setzt. Aber bei den anderen Nummern ist der Beifall keinesfalls schwächer.

Das hängt auch damit zusammen, wie perfekt die 13 Musiker um Orchesterleiter David Canisius ihren Job machen. Sie sind allesamt gestandene Profis, die punktgenau im Ensemble spielen, ebenso selbstverständlich in ihren Soli glänzen und in allen Stilen zu Hause sind. Das Tüpfelchen auf dem I sind Lucy und Anita, zwei tanzende Background-Sängerin­nen, die den weißgekleideten Wartke in Rot flankieren.

Und es liegt vor allem an der Qualität von Wartkes Texten, kleinen Geschichten über Begegnungen im Alltag, über Schüchternheit, Liebe („Wer Kaschmir für weich hält, hat dich nie gestreichelt“), über Vergesslichkeit, Töchter von Schönheitschirurgen und über Apple/Macintosh („Believe in Steve“). Die sind zauberhaft gereimt („Mit dir tanz ich nach Danzig“), immer wieder gut für eine überraschende Pointe: nicht weit entfernt von der Kunst Georg Kreislers.

Auf ein knapp zweistündiges Best-Of-Programm lässt Wartke noch ein halbstündiges Bündel Zugaben folgen. Erst um elf ist Schluss. Standing Ovations.

Am Sonnabend, 16. Juli, gastiert Bodo Wartke mit seinem aktuellen Soloprogramm „Was, wenn doch?“ in der Mehrzweckhalle Vellmar.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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