Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Landesmeisterschaft im Poetry-Slam in Göttingen

Neue Schnuppe Landesmeisterschaft im Poetry-Slam in Göttingen

„Du bist ein Kopf und auf dir wachsen Haare“, wiederholt Antje Haupt mehrmals. Ihr Text handelt von Menschen, für die nur das äußere Erscheinungsbild zählt: „Kaufsüchtige Konsumopfer, die nur um des Besitzes Willen Markenprodukte um sich scharen, sich ihre Freunde nach Höhe ihres Kontostandes aussuchen und am Ende des Monats trotzdem jeden Cent dreimal umdrehen müssen.

Voriger Artikel
„Ein Sommernachtstraum“ am Deutschen Theater Göttingen
Nächster Artikel
Tanz-Kultur-Woche in Göttingen eröffnet

Allen Earnstyzz: Das Slam-Trio unterhält das Publikum außer Konkurrenz zwischen dem U20 -und dem Ü20-Finale.

Quelle: Heller

Göttingen. Aber, hey, die Frisur sitzt.“ Haupt trifft damit einen Nerv und erhält Bestnoten von der Publikumsjury. Gerechnet hat sie damit nicht.

Mit fünf weiteren Teilnehmern steht Haupt im U20 Finale der Poetry Slam-Landesmeisterschaften für Niedersachsen und Bremen. In der Kategorie Ü20 treten neun Slammer gegeneinander an. Die Veranstaltung findet in der gut gefüllten Lokhalle am Sonnabend wird vom Norddeutschen Rundfunk (NDR) im Internet übertragen.

Haupt muss flitzen. Einen zweiten Text für das Stechen gegen den Zweitplatzierten Mirko Gilster hat sie nicht dabei, muss ihn fix organisieren. Es klappt gerade noch, sie gewinnt das Finale in ihrer Altersklasse mit einem nachdenklichen Text: „Ich bin nicht Generation Porno, noch Generation Sorglos. Ich bin Generation Planlos.“

Im Stechen des Ü20 Finales stehen sich Ninia La Grande, Sebastian Hahn und Rita Apel gegenüber. In ihrem Wettbewerbsbeitrag erzählt La Grande von einem Frauenarztbesuch. „Ich komme jetzt nach Hause. Du musst mir ganz schnell ein Baby machen. Für die Gesellschaft“, schließt sie ihren Text. Hahns Finalbeitrag trägt den Titel „Ich mag den Winter nicht so gerne“ und erzählt von skurrilen Gestalten und rutschigen Bahnsteigen.

Gewonnen hat ein kritischer Text. Slammerin Rita Apel befasst sich in ihrem Beitrag mit dem, was Menschen schnurz ist. „Mir doch egal“ heißt der Text, der Apel am Ende zur Landessiegerin im Poetry Slam macht. Darin sucht die Bremerin nach neuen Wörtern für Gleichgültigkeit. Bohlen sei so ein Wort. In Anlehnung an Dieter Bohlen und seiner immer noch währenden Superstarsuche reimt Apel: „Bohlen ist das neue Schnuppe, für RTL und die ganze Truppe.“

Ihr Text beginnt witzig, mündet aber in einer erschreckenden Ernsthaftigkeit bei den überfüllten Booten von Flüchtlingen: „Und ist so ein Schiff mal am Sinken, dann lässt man die einfach ertrinken. Das sind von vornherein Loser, aber uns ist das doch Lampedusa.“ Ein verdienter Sieg.

Von Daniela Lottmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff