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Langer: „Nichts, was Sie sehen, ist wirklich“

Traumwelten Langer: „Nichts, was Sie sehen, ist wirklich“

Können Fotoaufnahmen es mit den so abwegigen wie verwegenen Darstellungen des Leipziger Künstlers Neo Rauch aufnehmen? Die neue Ausstellung „Traumwelten – In the Court of the King of Dreams“ in der Duderstädter „Kunsthalle HGN“ beantwortet das.

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„Boy with Grant Ball“: Susanne Grieshaber vor ihrem Lieblingsmotiv der „Traumwelten“, eine Aufnahme von Arthur Tress.

Quelle: Thiele

Über Rauchs Bildwelten sagt Dr. Thomas Köhler von der Berlinischen Galerie in seiner Eröffnungsrede sie „sind bizarr, sehr verwirrend“.

Gegenüber dem Fotografen hat der Maler den Vorteil, dass er zum Pinsel greifen kann, um zu malen, was er will. „Die Fotografen müssen das, was sie haben wollen, erstmal finden“, meint Freddy Langer. Der Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung kennt sich mit Fotografie aus. Er erhielt den Auftrag, den neo-surrealen Welten von Neo Rauch, dessen kompakten Gestalten in oft vielfarbigen Fantasialändern ein Gegengewicht zu verschaffen.

Langer wählte Fotografen, deren Aufnahmen inszeniert sind, die zeigen, dass ihre Fotografie lügt, weil sie nicht Wirklichkeit abbildet, sondern eine Idee von ihr. Und so erschien es wie eine Warnung, als Langer bei der Vernissage am Donnerstag sagte: „Nichts, was Sie sehen, ist wirklich“

Arthur Tress lässt Männer in Schlamm oder Dunst aufgehen, stellt Männer, Frauen, Kinder an zerstörten oder mystischen Orten dar. Nichts davon ist eine Momentaufnahme, sondern jedes der 21 Bilder ein Projekt: Tress befragte Kinder nach ihren Traumbildern und Erwachsene nach ihren Sehnsüchten – und setzte das mit derselben Person in Szene.

Die spleenigen Menschen in einer entlegenen Pension irgendwo in Südafrika ließen Roger Ballen nicht los. Der Fotograf aus Johannesburg stellte mit Bekannten 23 Szenen der Begegnung nach und öffnet die Tür zu Orten der Trauer, Angst, Verschlossenheit, an denen Mensch und Tier in ungewöhnlichen Rollen oder Posen zu sehen sind.

Ralph Gibson macht Alltägliches zu Wunderdingen, indem er Lichtreflexe und ungewohnte Perspektiven einsetzt. Sein bekanntestes Bild, wie die große Mehrzahl der um die 125 Fotos in der Ausstellung in schwarz-weiß, die Hand am Türgriff aus der Reihe „The Somnambulist“ von 1969 ist dafür das beste Beispiel. Und Duane Michals zeigt mit „Things are Queer“ dem Betrachter schon beim zweiten Bild der Reihe, dass nichts so ist wie vermutet.

Ganz anders, seine journalistischen Wurzeln mögen der Grund sein, die Welten, die André Gelpke zeigt. Aspekte einer großen Szene wie ein Schwimmer unter vielen oder zwei Gläser unterschiedlich gefüllt im Schattenspiel, die wie seine weiteren zehn Bilder viele Antworten zulassen auf die Frage, was ist da los?

Was geht da ineinander über, was steht im Vordergrund bei den gemeinsamen 15 Werken von Vera Lehndorff und Holger Trülzsch. Lehndorff, bekannt geworden als Model in dem Film „Blow Up“ (1966), beherrscht die Körperbemalung so exzellent wie die Natur Mimikry. Die Models verschwinden, der Umgebung farblich gleich, mit dem jeweiligen Hintergrund – mal in Fabrikruinen, mal in Lumpenhaufen. Holger Trülzsch hat das, auch in großen Formaten, eindrucksvoll abgebildet.

Ja, auch die Kunstfotografie kann Phantasmagorien erschaffen. Sie geht nur einen anderen Weg. In der Ausstellung „Traumwelten“ überzeugt sie gar. Nicht, weil sie zahlenmäßig stärker ist, sondern weil sie elegant plakativ in Scheinwelten entführt. So ist die mit Werken aus der Sammlung von Hausherr Hans Georg Näder und überwiegend Leihgaben bestückte Ausstellung eine Hommage an die Surrealisten der Fotografie, ergänzt um 19 Werke von Neo Rauch, die sein Schaffen von 1991 bis in die Gegenwart zeigen. Absolut sehenswert.

„Traumwelten – In the Court of the King of Dreams“ ist sonnabends und sonntags von 11 bis 18 Uhr in der Kunsthalle HGN, Karl-Wüstefeld-Weg, Duderstadt, geöffnet (bis 25. November).

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Traumwelten mit Neo Rauch

Der 1960 geborene Leipziger Künstler Neo Rauch gehört international zu den bekanntesten seiner Generation. Entsprechend begehrt sind seine Werke. Dass nun einige seiner Werke in Duderstadt, in der vor einem Jahr eröffneten HGN-Kunsthalle (steht für Hans Georg Näder) zu sehen sind, ist ein Glücksfall für diese Region.

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