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Laurence Cummings und Tobias Wolff sprechen über ihre Pläne bis 2021

„Wie ein großes Crescendo“ Laurence Cummings und Tobias Wolff sprechen über ihre Pläne bis 2021

Laurence Cummings, künstlerischer Leiter der Internationalen Händel-Festspiele Göttingen, und Tobias Wolff, der geschäftsführende Intendant, werden das Festival weiter bis 2021 führen. Ihre Verträge sind am Dienstag verlängert worden.

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Haben ihre Verträge mit der Händel-Festspiel GmbH verlängert: der künstlerische Leiter Laurence Cummings ...

Quelle: Pförtner

Göttingen. Ihre Verträge sind am Dienstag verlängert worden.

Sie berichten über ihre Pläne für diese Zeit, in die das 100-jährige Jubiläum der Festspiele im Jahr 2020 fällt.

Sie beide prägen für weitere sieben Jahre das Gesicht der Händel-Festspiele. Welche inhaltlichen Schwerpunkte wollen Sie in dieser Zeit setzen?

Cummings: Wir planen, den Zyklus der Opern abzuschließen und Werke wiederzubeleben, die lange nicht zu hören waren. Die Zeit bis zum Jubiläum im Jahr 2020 wird sich wie ein großes Crescendo anfühlen.

Wolff: Für die Hundertjahrfeier der Händel-Festspiele ist unsere Vision, alle 42 Opern Händels in ganz unterschiedlichen Formaten aufzuführen. Dazu nutzen wir unser internationales Netzwerk. Mit Partnern in Deutschland und Europa werden szenische und konzertante Aufführungen stattfinden, aber auch Puppentheater, Lesungen oder Produktionen für Kleinst-Ensembles. Da kann es dann möglicherweise auch fünf Opern an einem Abend geben. 

Wieso richten Sie den Fokus so stark auf die Oper?

Wolff: Sie ist der Kern der Festspiele – daher wollen wir die Oper im Jubiläumsjahr besonders herausstellen. Ohne die Göttinger Händel-Festspiele hätte es keine weltweite Händel-Renaissance gegeben, und Händels Opern hätten heute nicht einen solch bedeutenden Stellenwert im Repertoire vieler Häuser.

Gibt es schon Ideen darüber hinaus?

Wolff: Wir denken über verschiedene Ausstellungen nach und sind mit mehreren Partnern im Gespräch, in der Stadt, im Land, auch über die Landesgrenzen hinaus mit unseren Freunden in Halle. 2019 möchten wir außerdem umfangreiche wissenschaftliche Publikationen veröffentlichen. Dafür muss man zwei, drei Jahre für die Forschung und davor mindestens zwölf Monate für die Beantragung der notwendigen Mittel einrechnen.

Herr Cummings, Sie leiten nicht nur die Göttinger Händel-Festspiele, sondern auch das London Handel Festival. Welche Unterschiede sehen Sie im Publikum der beiden Festspiele?

Cummings: Das Publikum ist gar nicht so unterschiedlich, manche Leute besuchen sogar regelmäßig beide Festivals. Ich spüre bei den Zuschauern einen großen Hunger auf Musik und eine enorme Leidenschaft für Händel – auch für die weniger bekannten Werke. Deswegen kann ich etliche Programmpunkte beider Festivals mit einem großen Vertrauen auf ein Kennerpublikum planen. Die Größe der Städte macht natürlich einen Unterschied: In London sind die Konzerte und Opernvorstellungen zeitlich und räumlich viel weiter verteilt. Das Großartige an den Göttinger Händel-Festspielen ist, dass alles an einem wunderschönen Schauplatz konzentriert ist. Die Menschen der Stadt machen sich das Festival wirklich zu eigen und unterstützen uns in vielfältiger Art und Weise.

Sie sind inzwischen beide praktizierende Göttinger. Haben Sie hier schon einen Lieblingsplatz gefunden?

Cummings: Die Aula der Universität erfüllt mich mit einem ganz besonderen Gefühl. Alle Kammerkonzerte, die ich dort gespielt habe, waren etwas ganz Besonderes. Vor allem in diesem Jahr wurden mir durch dieses Gebäude die Verbindungen zwischen Göttingen und London durch Georg II. besonders bewusst, was mich auch mit einem gewissen Stolz erfüllt. Wenn ich gerade nicht Musik mache, liebe ich es, auf dem Wall zu spazieren oder zu radeln. Die perfekte Länge, um einmal durchzuatmen.

Wolff: Die Jacobikirche: weil sie ein Ort ist, der sehr zentral gelegen ist, weil sie farblich so unkonventionell ist, ein bisschen aus der Reihe tanzt. An dem wunderbaren Altar gibt es jedes Mal etwas Neues zu entdecken. Und wenn man einmal zwischen zwei Terminen etwas Zeit hat, kann man dort still einkehren.

Wenn Ihnen eine gute Fee einen Wunsch für die Händel-Festspiele erfüllen würde, worum würden Sie bitten?

Cummings: Ich würde mir wünschen, dass das Festival für immer weiter besteht und immer wieder ein neues Publikum begeistert für die unsterbliche Musik von Herrn Händel.

Wolff: Um langfristige finanzielle Sicherheit, damit wir mit dem Programm so früh herauskommen können wie andere Festivals. Die Händel-Feste in Karlsruhe und Halle oder das Bachfest in Leipzig können die Karten schon ein Jahr im Voraus verkaufen. Langfristige Zusagen würden unsere Arbeit enorm erleichtern und uns vor allem auch viel mehr Gäste aus dem Ausland bringen. Die planen erfahrungsgemäß immer sehr früh. Und wenn ich noch einen zweiten Wunsch äußern darf: Ich möchte, dass Laurence Cummings uns lange erhalten bleiben möge und weiterhin so voller Tatendrang ist. Er ist der maßgebliche Faktor unseres Erfolges.

 Das Interview führte Michael Schäfer

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