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Laurence Dale über seine Inszenierung der Oper „Agrippina“

„Alle lügen“ Laurence Dale über seine Inszenierung der Oper „Agrippina“

„Endlich, endlich!“ sagt Laurence Dale, zu Gast in Göttingen zur Vorstellung des Programms der Internationalen Händel-Festspiele 2015. Er hat sich nämlich schon lange gewünscht, eine Händel-Oper zu inszenieren. „Agrippina“ wird es sein, Premiere ist am Freitag, 15. Mai, im Deutschen Theater.

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Früher Sänger, jetzt Dirigent und Regisseur: der Engländer Laurence Dale.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Dale, Jahrgang 1957, hat mehrere Karrierewege eingeschlagen. Begonnen hat er als Tenor mit dem Debüt 1981 an der English National Opera, später unter anderem an der Pariser Oper, in Amsterdam, Brüssel, Zürich, Stuttgart und an der Wiener Staatsoper.

Sein breit gestreutes Sängerrepertoire hatte einen Schwerpunkt auch in der Alten Musik, bei der er mit Dirigenten wie John Eliot Gardiner, Christopher Hogwood und Nikolaus Harnoncourt zusammengearbeitet hat. Von den dramatischen Qualitäten Harnoncourts schwärmt er.

Kurz nach 2000 musste sich aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne zurückziehen. Doch blieb er musikalisch weiter ausgesprochen aktive: als Dirigent, als künstlerischer Leiter und als Regisseur.  Als Sänger hat Dale etliche Händel-Partien gesungen. Besonders gern erinnert er sich an die „Ariodante“-Inszenierung 1986 in Genf, in der er gemeinsam mit der Sopranistin Tatjana Troyanos auf der Bühne stand.

Agrippina, die Titelfigur von Händels Oper, ist für Dale eine Anti-Heldin: „Sie ist furchtbar, so böse, so unmenschlich, aber als Figur fantastisch.“ An der Oper reizt den Regisseur besonders die Verquickung von tragischer Handlung mit geradezu witzigen Passagen. Zudem sei „Agrippina“ eine Oper, in der „alle lügen“ – nur eine Bühnenfigur (Ottone) sei ehrlich.

„Das Publikum ist nicht dumm“

„Das ist alles ein bisschen wie ,Dallas‘. Man kann hier sehen, woher die Seifenoper stammt.“ Und vertiefend fügt er hinzu, „Agrippina“ sei „lebendig, dramatisch, blutig, politisch, aktuell.“ Wobei er die Aktualität nicht etwa abbilden will. Er traut dem Publikum zu, aktuelle Bezüge selbst herzustellen: „Das Publikum ist nicht dumm.“

Als Opernregisseur müsse man „eine Fantasiewelt erschaffen“, ein „Kaleidoskop“. Denn eine Oper besitze außerordentlich viele Facetten: „Alles dreht sich!“

Göttingen kennt der britische Musiker, der seit 34 Jahren in Frankreich lebt, seit seinem Besuch der Händel-Festspiele 2014. Die „Faramondo“-Aufführung hat bei ihm einen tiefen Eindruck hinterlassen. Es war die dritte Händel-Oper, die er mit dem Dirigenten Laurence Cummings, dem künstlerischen Leiter der Göttinger Händel-Festspiele, erlebt hat. Dale schätzt seinen Kollegen am Pult hoch ein: „Er hat viel Drive, viel Energie – und ist immer perfekt im Klang und im Tempo.“

Die Oper „Agrippina“ steht nach der Premiere am 15. Mai noch fünfmal auf dem Programm der Festspiele: am 17., 18. und 25. Mai um 15 Uhr, am 22. Mai um 19 Uhr und am 24. Mai um 16 Uhr. Der Vorverkauf beginnt am Montag, 2. Februar, unter anderem beim GT-Ticket­service, Jüdenstraße 13c.

Von Michael Schäfer

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