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Leben auf dem Sperrmüllsofa

Premiere in Kassel Leben auf dem Sperrmüllsofa

Die Polizisten verstehen die Welt nicht mehr. Warum lebt eine junge Frau auf der Straße, die vor kurzem noch einen guten Job hatte? Bettina Erasmys neues Stück „Chapters“ beschreibt, wie ein Leben aus den Fugen gerät. Die rasante Inszenierung von Schirin Khodadadian feierte am Sonnabend in Kassel Premiere.

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Kommen sich on Chapters nahe: Caroline Dietrich als Maja und Jürgen Wink als Polizist.

Quelle: Klinger

Kassel. Wie in einem Spiegelkabinett fühlt sich der Zuschauer. Wie war die Geschichte denn nun wirklich? Die obdachlose Maja sitzt auf ihrem Sperrmüllsofa zwischen zwei Altpapiercontainern. Sie erzählt mal voller Lebensfreude, mal niedergeschlagen, mal aggressiv, mal verletzlich. Die in atemberaubender Geschwindigkeit aufeinander folgenden Szenen ziehen das Publikum in ihren Bann. Khodadadian hat in ihrer Inszenierung, die Uraufführung war Ende Mai während der Ruhrfestspiele in Recklinghausen, Majas Rolle mit Caroline Dietrich und Alina Rank doppelt besetzt. Die Regisseurin lässt sie manche Szene zweimal spielen. Die Schauspielerinnen zeigen eindrucksvoll, wieviel Interpretationsmöglichkeiten im Text stecken.

Termine

Weitere Vorstellungen im Staatstheater Kassel, Friedrichsplatz 15, am 9. und 16. Juni sowie am 1., 10. und 15. Juli um 20.15 Uhr. Karten unter Telefon 0561/ 1094-222 oder karten@staatstheater-kassel.de

Wie Traumfetzen wirken die kurzen Sequenzen. Bestimmte Elemente tauchen mit anderen Protagonisten wieder auf. Mal macht Maja mit ihrem neuen Freund Jonas auf der Kühlerhaube von dessen Auto Liebe, mal mit einem Polizisten (Jonas Wink). Sie erschießt Jonas, von Aljoscha Langel und Artur Spannagel voller Leidenschaft gespielt, nach dem Sex und steigt danach aus ihrem bürgerlichen Leben aus. Der Polizist versucht nach dem Liebesspiel Majas eifersüchtigen Obdachlosenfreund Markus mit gezogener Waffe auf Distanz zu halten. Maja entwendet ihm die Pistole und bietet sie vor ihrem Sofa zum Verkauf an. Oder ist das die Waffe, mit der sie Jonas erschoss?

Hunger ist ein wiederkehrendes Motiv. Maja isst Müll. Ein Mann stellt ihr einen Kaffee aufs Sofa. Die Frau vom Backshop schenkt ihr nicht verkauftes Brot. Das eigenwillige Bühnenbild stammt von Daniel Roskamp. Ein oranges Lichtband markiert den Raum, das von dem riesigen Sofa dominiert wird. Von der Decke hängen Lichterketten, blaue Lampen und roten China-Lampions herab. Dem Publikum im Theater im Fridericianum gefällt das verwirrende Stück. Es klatscht lange. r

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