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Leben ohne Seele und Lachen

„Timm Thaler“ Leben ohne Seele und Lachen

Es ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der nach dem plötzlichen Tod seines Vaters ganz allein auf der Welt zu sein scheint. Die Menschen die ihn umgeben sind ungerecht, und er verzweifelt.

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Bedroht: Tim (Leenders, rechts) mit dem Teufel (Böther).

Quelle: Eulig

Göttingen. Die Pferderennbahn ist der einzige Ort, an dem er in Erinnerungen an seinen wettsüchtigen Vater schwelgen kann. Und ausgerechnet dort widerfährt ihm Schreckliches:

Timm Thaler (Philip Leenders) schließt, ohne es zu wissen, einen Pakt mit dem Teufel. Von nun an gewinnt der Junge jede Wette, während Baron Lefuet (Dirk Böther), wie sich der dämonische Herrscher der Unterwelt nennt, Timms Lachen bekommt. Zunächst erscheint dies wie ein fairer Handel, doch schnell wird klar: „Ein Leben ohne Lachen ist unerträglich“.

Erst als Timm bemerkt, mit wem er es zu tun hat (Lefuet ist ein Anagramm des Wortes Teufel) kommt er dem Ganoven mithilfe seiner Freunde (Gintas Jocius, Constanze Passin) langsam auf die Schliche. Er möchte sein Lachen, seine Kindheit, zurück, denn nun weiß er, dass Reichtum und Glück nicht unbedingt Hand in Hand gehen.

Die Adaption des Kinderbuches „Timm Thaler oder das verkaufte Lachen“ von James Krüss hatte am Sonntag im Jungen Theater (JT) Göttingen Premiere. Inszeniert hat es Regisseurin Ina Annett Keppel. Beeindruckend ist, wie mit kaum vorhandenem Bühnenbild und Requisite (Ausstattung: Steffen Mutschler) dennoch ein lebhaftes und unterhaltsames Stück entsteht. Nur Vorhänge markieren die Übergänge zu anderen Räumen, Telefone werden einfach von der Nebenbühne angereicht, wenn sie klingeln.

Auf der Bühne ist so Platz für die Darsteller. Dabei ist Dirk Böther als Baron sehr angsteinflößend. In seinem Pelzmantel steht er riesenhaft da, sein Blick verharrt auf den kleinen Zuschauern, die sich unter dem schützenden Arm von Mama oder Papa verstecken. Drollig ist hingegen Gintas Jocius der fabelhaft von einer Rolle in die nächste schlüpft. Mal ist er ein Käpitän, mal ein Zimmermädchen, mal ein Schüler, oder eine Bäckersfrau, doch immer ist er dabei überzeugend. Das Ensemble erweckt die Figuren gekonnt zum Leben.

Die Bühnenfassung von Dirk H. Föse weicht ab vom Original, sie wurde modernisiert. Föse lässt den Baron vom Krieg in Afghanistan fabulieren und seinen Mitarbeiter den Aktienmarkt erläutern. Das passt gut in die heutige Welt, in der auch „Zahlen, nicht Gefühle regieren“. Aber ob diese Passagen für Kinder ab 10 Jahren geeignet sind, bleibt fraglich.

Die Handlung erscheint stellenweise sehr verworren. Es geht um Wertpapiere, Waffenhandel und SOS-Kinderdörfer zugleich. Eine knappere und dadurch kindgerechtere Inszenierung wäre sicher noch gelungener gewesen.

Die nächsten Vorstellungen: Mittwoch, 24., und Montag, 29. Oktober, sowie Sonntag, 11., Mittwoch, 14., Sonntag, 18., und Montag, 19. November, zu verschiedenen Zeiten im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6. Kartentelefon: 05 51 / 49 50 15.

Von Sarah Lodder

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