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Leidenschaft und Feuer, Zärtlichkeit und Poesie

„Russisches Schatzkästlein“ Leidenschaft und Feuer, Zärtlichkeit und Poesie

In seinem Heimatland Litauen hat Gintaras Januševičius schon als Heranwachsender eine Pianistenkarriere gemacht. Vor acht Jahren übersiedelte er nach Deutschland, um an der Musikhochschule in Hannover seine Ausbildung zu vervollkommnen: zunächst bei Vladimir Krajnew, nach dessen Tod bei Bernd Goetzke. Am Mittwoch stellte sich der 27-jährige Musiker im Göttinger Clavier-Salon vor.

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Pianistenkarriere in seiner litauischen Heimat: Gintaras Januševičius.

Quelle: Vetter

Für dieses Konzert hatte er ein außergewöhnliches Programm zusammengestellt, betitelt „Russisches Schatzkästlein“: vorwiegend weniger bekannte Werke bekannter und unbekannter Komponisten. Mit Beethovens Variationen über einen russischen Tanz eröffnete er den kurzweiligen Abend und zeigte sogleich seine eindrucksvollen gestalterischen Qualitäten. Er baut große Spannungsbögen auf, spielt mit Leidenschaft und Feuer, ebenso aber auch mit Zärtlichkeit und Poesie. 

Diese Fähigkeiten gaben ihm die besten Voraussetzungen für Tschaikowskys „Dumka“, mit der er den Abend fortsetzte: mit improvisatorischem Ansatz, grüblerisch, schwermütig, dann wieder mit glänzend virtuosem Zugriff. Ein scharf konturiertes Scherzo von Borodin und eine wunderschön singende „Melodie“ des spätromantischen Dirigenten, Pianisten und Komponisten Ossip Gabrilowitsch leiteten über zu zwei hochvirtuosen Liszt-Stücken, dem „Russischen Galopp“ und einer Klavier-Transkription aus Glinkas Oper „Ruslan und Ludmila“. Eine weitere Repertoire-Überraschung war Debussys „Ballade slave“, in der der Komponist wunderbar die russische Kamarinskaja-Melodie mit seiner unverwechselbar eigenen Harmonik parfümiert.

Zum Abschluss folgten Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“, in denen Januševičius abermals seine großen gestalterischen Qualitäten offenbarte. Bemerkenswert kontrastreich und mit viel Sinn für die klangfarblichen Möglichkeiten seines Instruments – diesmal war es ein Braunschweiger Steinweg-Flügel aus dem Jahre 1898 – interpretierte der Pianist dieses vielgestaltige Meisterwerk, das unter seinen Händen funkelte und glänzte.

Gewiss könnte Januševičius in virtuosen Passagen– hier und da blieben einzelne Töne fort – noch Gleichmäßigkeit und Transparenz verbessern. Doch was er an diesem Abend bot, war pianistische Kunst auf hohem Niveau. Für den überaus herzlichen Beifall bedankte er sich mit zwei Tschaikowsky-Stücken: der zärtlichen Valse sentimentale op. 51 Nr. 6 und der grazilen Gavotte aus dem Ballett „Dornröschen“.

Von Michael Schäfer

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