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Leiter des Jungen Theaters in Göttingen ziehen Bilanz nach 111 Tagen

Gute Zahlen, mehr Ensemble-Arbeit Leiter des Jungen Theaters in Göttingen ziehen Bilanz nach 111 Tagen

Seit 111 Tagen sind Intendant Nico Dietrich und der künstlerische Leiter Tobias Sosinka im Jungen Theater (JT) im Amt. Mit Beginn der Spielzeit 2014/2015 hatten sie das Haus Anfang September übernommen. Jetzt haben sie zurückgeblickt auf den Start, resümiert – und Konsequenzen gezogen.

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111 Tage im Amt: Intendant Nico Dietrich (links) und Tobias Sosinka, künstlerischer Leiter.

Quelle: Heller

Göttingen. Am erfolgreichsten laufe der Betrieb mit eigenen Produktionen, möglichst Ensemble-Stücken, sagen die beiden. „Das Publikum will die Schauspieler sehen.“

Deswegen hat das Leitungsteam zwei angekündigte kleinere Produktionen aus dem Programm genommen und sich für ein großen, klassischen Stoff  entschieden. Sosinka wird Lessings „Nathan der Weise“ inszenieren. Die Premiere ist für den 2. Mai geplant. Diese „Selbstreflektion einer mitteleuropäischen Gesellschaft beim Blick auf andere Kulturen“, gehöre ins JT, meint Sosinka. Und Dietrich ergänzt: „Angesichts von Pegida ist das notwendig.“

Alle kommenden Premieren sind um einige Tage verschoben. Das Ziel: Nach dem Auftakt-Parforceritt, der notwendig geworden war, weil mit „Der Hals der Giraffe“ nur eine Produktion in die neue Spielzeit übernommen werden konnte, wird nun entschleunigt.

Auch ein neues Format soll noch in dieser Spielzeit getestet werden. Das Gastspiel „Hermaphroditos – Ich bin die Metamorphose, Baby“ am 8. Februar beginnt erst um 21.30 Uhr, damit die Vorstellung in eine Theaterparty münden kann.
Der bisherige Erfolg schlägt sich in Zahlen nieder. Neun Eigenproduktionen hat das JT-Team bereits auf die Bühne gebracht, 8442 Eintrittskarten wurden bislang dafür verkauft.

In der vergangenen, mäßig erfolgreichen Saison unter der Interimsführung von Eva-Maria Baumeister und Udo Eidinger waren zum gleichen Zeitpunkt 7798 Tickets verkauft. Andreas Döring beend ete seine Intendanz mit sehr guten Zahlen. 2011/12 verzeichnete er nach dem ersten Quartal 10749 Besucher, 2012/13 waren es 8051. Auf rund 30 000  Besucher am Ende der Spielzeit hoffen Dietrich und Sosinka.

Nur durchschnittlich besucht waren die sieben Vorstellungen des Festivals der Freien Theater. 570 zahlende Zuschauer verzeichnete die Kasse. Die Einnahmen werden bei einer solchen Veranstaltung geteilt, erläutert Dietrich, finanziell erfolgreich sei ein solches Festival wie auch die Gastspiele Freier Theater eher nicht.

Dennoch soll es Vergleichbares weiterhin geben, sagt Dietrich, das sei eine der Aufgaben des JT. Allerdings will er sich mit den Freien zusammensetzen, um Wege für Modell zu finden, bei dem beide profitieren.

Sehr zufrieden über eine Zusicherung der Stadt für eine Förderung über vier Jahre zeigt sich Dietrich, denn die gebe Planungssicherheit. Dafür allerdings musste er eine Kürzung der Zuschüsse bis 2018 um insgesamt 20 000 Euro hinnehmen. Dann werden noch 602 600 Euro fließen.

Im Vergleich dazu: 2012 bezuschusste die Stadt das JT noch mit 722 000 Euro. Die Folge: Nur noch sechs Schauspieler statt acht sind engagiert, und eine Technikstelle fiel dem Sparzwang zum Opfer, sagt Dietrich.

Und natürlich macht sich das Team schon jetzt Gedanken über die Spielzeit 2015/16. Zur Eröffnung der Saison kündigen Dietrich und Sosinka einen großen Stoff an, bei dem das Ensemble wieder im Zentrum stehen werde: eine Bühnenfassung der Novelle „Katz und Maus“ von Günter Grass. Dietrich wird Regie führen.

Ihr Konzept für eine erfolgreiche Arbeit ist solide und schlicht. Dietrich und Sosinka wollen „einfach gutes Theater machen.“

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