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Ein fliegender Blumenstrauß

Hubertus Meyer-Burckhardt im GDA Wohnstift Ein fliegender Blumenstrauß

Er ist Film- und Fernseh-Produzent, Medienmanager, Regisseur, Journalist, Autor und einem Millionenpublikum vor allem als Gastgeber der „NDR Talkshow“ bekannt. Hubertus Meyer-Burckhardt hat viele Talente. Am Dienstag hat er im GDA-Wohnstift seinen Roman „Meine Tage mit Fabienne“ vorgestellt.

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Hubertus Meyer-Burckhardt.

Quelle: CM

Geismar. „Hinter der Bühne habe ich eben die Geräuschkulisse auf mich wirken lassen. Eine Weile habe ich gedacht, ich lese in einer Jugendherberge. So temperamentvoll war das.“ Hubertus Meyer-Burckhardt hat die Lacher sofort auf seiner Seite. Der aus Kassel stammende Medienmacher ist einer, der sein Publikum mit Charme, seiner lockeren Art und ungekünstelten Eloquenz im Handumdrehen erobert.

Das Buch:

Hubertus Meyer-Burckhardt: Meine Tage mit Fabienne. Lübbe, 224 Seiten, ISBN: 978-3-431-03953-5, 18 Euro.

Ein paar Anekdoten, Bonmots und humorige Sprüche zum Aufwärmen. Dann entführt der Wahl-Hamburger die geschätzt 150 Zuhörer in ein Berliner Mietshaus. In seinem dritten Roman „Meine Tage mit Fabienne“ gehe es um die Planbarkeit des Lebens. Dass es damit nicht weit her ist, muss Kannstatt, der Protagonist des Buches, schon bald feststellen.

Kannstatt bevorzugt eine höfliche Distanz zu den Mietern des Hauses. Für ihn, der die Nachbarn lieber hört als sieht, ist das Wohnhaus eine wohl komponierte Symphonie. Als Fabienne, eine lebensfrohe Elsässerin und Hutmacherin, den Laden im Erdgeschoss bezieht, beginnt für Kannstatt „eine neue Zeitrechnung in diesem Haus“. Die bekennende „leidenschaftliche Ruhestörerin“ mischt das Leben des Eigenbrötlers reichlich auf. Der kauzige Mittfünfziger beginnt, ein Leben „für sie“ zu inszenieren und sich reichlich zum Horst zu machen.

Detailreich und gut beobachtet, humorvoll und bildreich beschreibt Meyer-Burckhardt den Mikrokosmos des Berliner Mietshauses. Energiegeladen und immer wieder ins Publikum schauend, die rechte Hand fast ständig in Bewegung und sichtlich selbst mit viel Spaß bei der Sache bringt der 60-Jährige mit seiner Art zu lesen noch mehr Tempo ins Geschehen. Es dauert natürlich auch nicht lange, und man sieht vor sich das Personal und vor allem Kannstatt mit all seinen Marotten, wie in einem Film agieren.

Nach 70 Minuten endet die Lesung mit viel Applaus. Und der Medienprofi lässt es sich nicht nehmen, den Dankeschön-Blumenstrauß („der sonst nur vertrocknen würde“) ins Publikum, in die Arme einer erfreuten Zuschauern zu werfen. Im Anschluss bei einem Sektempfang drängen sich die meisten der Gäste auch noch am Signiertisch.

Auf seine kurze Bemerkung angesprochen, er habe jüngst mit dem Schauspieler Walter Sittler gesprochen, und der habe ihm gesagt, der Protagonist des Romans sei eine Rolle, die er gerne spielen würde, sagte Meyer-Burckhardt: „Ich würde mich freuen, wenn er es spielt.“ Aber, erzählte er weiter, „ich würde nie mein eigenes Buch selbst verfilmen. Da habe ich keine Distanz dazu. Und insofern würde ich auch einem Produzenten, der das macht nie hineinreden.“

Auch ein Drehbuch würde Meyer-Burckhardt, der seinen ersten Roman vor fünf Jahren schrieb, wegen der „genauen dramaturgischen Regeln und vielen ökonomischen Zwänge“ nicht verfassen wollen. „Als Romanautor können Sie schreiben, was sie wollen.“

Von Karola Hoffmann

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