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Indiens Wälder weinen „blutige Tränen“

Lesung in Göttingen Indiens Wälder weinen „blutige Tränen“

Mit dem Schluchzen der Mutter, die unter häuslicher Gewalt litt, wuchs sie auf. Verwandte wurden ermordet, weil sie ihr Land nicht hergeben wollten. Schreckliches hat die Dichterin Jacinta Kerketta erlebt. Lebensmut gibt ihr das Schreiben. In Göttingen las sie am Montag aus ihrem ersten Gedichtband, „Glut“.

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Jacinta Kerketta (Mitte) mit Organisator Dr. James Albert (links) und Übersetzer Johannes Laping.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Kerketta stammt aus dem indischen Bundesstaat Jharkhand, in dem es reiche Eisenvorkommen gibt. Im Tagebau wird das Erz gewonnen. „Bergbaukonzerne vertreiben die Menschen von ihrem Land“, erzählt James Albert vom Göttinger Verein Bargat. Gemeinsam mit Prof. Andrea Bogner von der Abteilung Interkulturelle Germanistik der Universität hat er die Lesung in der Mensa am Wilhelmsplatz ausgerichtet.

Info

Jacinta Kerketta: „Glut“. Draupadi, Heidelber, 160 Seiten, 12 Euro.

Die Dreschplätze der Kleinbauern werden zu „Friedhöfen“, heißt es in einem Gedicht von Kerketta. Wälder verschwinden. Der Regen schwemmt den roten, giftigen Schlamm der Abraumhalden in die Flüsse. Von „blutigen Tränen“ spricht die Autorin.

Mit ernstem Gesicht, über das kein Lächeln huscht, trägt sie ihre melodiösen Gedichte auf Hindi vor. Für die Übersetzungen ins Deutsche sorgt der Indologe Johannes Laping.

Die Schriftstellerin schreibt von der Witwe, die vom Hungertod bedroht, mit den Kindern Suizid begeht. Aufrütteln will sie die Menschen mit dieser Tat. Zeitungen sollen über ihr Leid berichten.

Immer wieder stellt Kerketta der Landbevölkerung, die im Einklang mit der Natur lebe und solidarisch sei, „hohle“, „empfindungslose“ Städter gegenüber. Die Autorin: „In den Städten wird die Glut zu Asche, in den Dörfern geben die Menschen sie weiter, bis in jeder Hütte Feuer brennt.“

Die Schriftstellerin und Journalistin gehört zu den Adivasi, den Ureinwohnern Indiens. Sie bilden keine einheitliche Gruppe, sondern gliedern sich in zahlreiche Völker, und leben über den Subkontinent verstreut. „Die Adivasi stehen außerhalb der hinduistischen Kastenordnung und werden deshalb von der indischen Mehrheitsgesellschaft diskriminiert“, berichtet Albert. Um ihnen zu helfen, hat der pensionierte Gymnasiallehrer in diesem Jahr den Verein Bargat gegründet.

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