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Hooligan beim Kaffeetrinken

Lesung mit Philipp Winkler Hooligan beim Kaffeetrinken

Keine Haare auf den Zähnen, dafür Haare am Arsch: Im Debütroman von Philipp Winkler ist die Sprache derb. Im Gespräch mit Moderator Christoph Schröder hat der Autor seinen Erstling „Hool“ im Literarischen Zentrum Göttingen vorgestellt. Gleich zu Anfang stellte er klar: Es ist kein Fußballbuch.

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Ahnung von der Szene, aber kein Hooligan: Philipp Winkler.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Die beiden Gesprächspartner wirken ungleich, wie sie da auf dem Podium sitzen. Winklers T-Shirt verdeckt nur zur Hälfte ein Tattoo am Arm, der Kopf ist an den Seiten rasiert, nur in der Mitte hat er zum Zopf gebundene Haare. Schröder daneben sitzt mit Hemd und Anzugjacke und fragt nach der Authentizität des Romans. Winkler sträubt sich gegen diesen sperrigen Begriff: „Das sagen natürlich Menschen, die so fern wie nur möglich von dieser Szene sind.“

Info

Philipp Winkler: „Hool“, Aufbau Verlag, 310 Seiten, 19.95 Euro.

In „Hool“ geht es um den Außenseiter Heiko Kolbe, einen Fan des Fußballvereins Hannover 96. Abseits der Spiele trifft er sich mit seinen Freunden zu „Matches“ im Wald gegen andere Hooligans. Bei einem Match prügelt man sich, um die Ehre des eigenen Vereins zu verteidigen. So weit, so bekannt das Bild eines Hooligans. Winkler zeichnet jedoch eine Milieustudie und begleitet seinen Protagonisten Heiko an viele Orte abseits der Hooliganszene.

Im Literarischen Zentrum liest Winkler sechs Auszüge aus seinem Buch. Prügeleien und Hooligans kommen gar nicht vor an diesem Abend. Dafür ein Geier namens Siegfried und ein Kaffeetrinken mit Heikos desolater Familie, bei dem sich Heiko „die Arschhaare aufstellen“. Diese Ausdrücke, mit denen Heiko sich und die Menschen in seinem Umfeld belegt, sind hart und abgeklärt. Das Publikum lacht an diesen Stellen trotzdem, denn komisch ist die Wortwahl auch. 

Für das Buch hat Winkler mit szenekundigen Polizeibeamten und ehemaligen Hooligans gesprochen. „Für jemanden, der außerhalb der Szene steht, weiß ich ganz gut Bescheid“, meint der Leipziger. „Jemand aus der Szene würde mir aber wahrscheinlich sagen ‚Du hast keinen Peil‘.“ Offiziell spricht man von Hooligans nicht als Fußballfans, merkt Moderator Schröder an, der in seiner Freizeit als Schiedsrichter pfeift. Winkler sieht das anders: „Das Klischee von dem dumpfen Schlägertypen, der sich nur auf die Fresse hauen will, stimmt nicht. In der Regel sind das schon alles Fußballfans, auch wenn sie dem Fußballkontext gewissermaßen enthoben sind.“

In der Lesung ging es trotz des Buchtitels nur wenig um Hooligans. Ein bisschen aggressive Stimmung kam dann aber am Ende des Abends doch noch auf, als vor dem Literarischen Zentrum ein paar verirrte Kneipengänger „Wir sind hier und wollen Bier!“ skandierten.

Von Jorid Engler

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