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Wirtschaftswunder und Nazi-Geist

Lesung von Herbert Günther Wirtschaftswunder und Nazi-Geist

Der Friedländer Schriftsteller Herbert Günther hat in der Buchhandlung Hugendubel seinen neuen Roman „Der Widerspruch“ vorgestellt. Darin lässt er im Jahr 1963 vier Teenager auf die Umbruchstimmung der Wirtschaftswunderzeit und den noch herrschenden Geist der Nazivergangenheit treffen.

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Göttingen. „Es gibt autobiografische Bezugspunkte“, verrät Günther. Und auf jeden Fall gibt es einen Bezugspunkt zum Ort der Lesung selbst. Nach einer Jugend auf dem Land hat der 1947 geborene Autor einst im Haus (ehemals Deuerlich) Buchhändler gelernt und danach drei Jahre dort gearbeitet.

Günther hat mit der Göttinger-Tageblatt-Titelseite vom 27. Juni 1963, dem Tag nach dem Berlin-Besuch von US-Präsident John F. Kennedy, einen prägnanten Umschlag gewählt. Und um bei den Lesern des Jugend- und Erwachsenenbuches die Zeit in Erinnerung zu rufen oder eine Ahnung davon aufkommen zu lassen, sind den Kapiteln „Zeitungssplitter“ voranstellt, die die Ereignisse der Zeit kurz zusammenfassen. Erzählt wird die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven.

Vier Teenager lassen aus ihrer Sicht die Geschichte ihres vorletzten gemeinsamen Schuljahrs lebendig werden. Britta ist vor einigen Jahren aus dem Osten in den Westen gekommen. Couragiert wie sie ist, legt sie sich mit dem Rektor an. Der schüchterne Robert wird zum Klassensprecher gewählt und verliebt sich in Britta. Jonas vermisst seinen an Kriegsfolgen gestorbenen Vater. Und die selbstbewusste Reni ist mit einem Studenten in der Stadt verbandelt, der sie in eine politische Aktion verwickelt. Die erste Liebe, unterschiedliche Lebenswelten, Familiengeheimnisse, Konflikte, der Übergang in das Erwachsenenleben, Lasten aus der Nazizeit und neue politische Überzeugungen: Figuren und Handlungsstränge nehmen den Leser für sich ein.

Schließlich führen die Geschichten der vier Schüler hinein in einen Kriminalfall, den der junge Kommissar Lembeck aufklären soll. Inmitten der Aufbruchsstimmung der Wirtschaftswunderzeit und des noch herrschenden Geistes der Nazivergangenheit wird der junge Mann ebenso wie die Teenager mit den gesellschaftlichen Zwängen konfrontiert.

Von Karola Hoffmann

Herbert Günther: „Der Widerspruch“, Gerstenberg Verlag, 224 Seiten, 16,95 Euro.

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