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Liebe, Lust und Verführung

Premiere: Erotische Lyrik und Songs von Bertolt Brecht Liebe, Lust und Verführung

Liebe und Begierde, Lust und Verführung, Überfluss, Zerstreuung und Langeweile. Davon handeln die Lieder und Gedichte von Bertolt Brecht. Die Premiere ihres lyrischen Streifzuges mit erotischen Werken des Dramatikers und Dichters haben Maja Müller-Bula & Andreas Düker im Göttinger Apex präsentiert.

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Maja Müller-Bula & Andreas Düker.

Quelle: R

Göttingen. Ein nylonbestrumpftes Damenbein schiebt sich durch den Vorhang. „Komm heraus, du Schönheit von Soho / zeig doch mir mal deine schönen Beine.“ Kokett setzt Schauspielerin und Sängerin Maja Müller-Bula ihre Reize in Szene und eröffnet mit dem „Eifersuchtsduett“ aus der „Dreigroschenoper“ den Abend unter dem Titel „Über die Verführung von Engeln“. Begleitet von Gitarrist Andreas Düker, der das Lied von Kurt Weill spannungsreich jazzrockig-modern interpretiert.

„Bertolt Brecht – der Supermacho“ fasst das Duo Biografisches aus dem Leben des Dichters und sein viel diskutiertes und untersuchtes Verhältnis zu den Frauen zusammen. Mit Paula Banholzer, Marianne Zoff und Helene Weigel hatte Brecht vier Kinder. „Und er verhinderte, dass angebliche Dramatikerinnen von Weltrang wie Elisabeth Hauptmann, Margarethe Steffin, Ruth Berlau und Marieluise Fleißer in ihrer Hörigkeit gegenüber dem Pascha ein eigenes Werk schaffen konnten.“

Den sieben Frauen widmen Müller-Bula und Düker im 60. Todesjahr des Dichters ihren Streifzug mit Anekdoten seiner Liebschaften, Ehen und lebenslangen Affären. Eingebettet in eine Auswahl mehr oder minder bekannter Lieder und Gedichte des berühmten Augsburgers, der einst das epische respektive dialektische Theater gründete.

Ein Hauch von Nachtclub-Atmosphäre kommt auf, wenn die Schauspielerin, die zum Ensemble der freien Theaterformation „Stille Hunde“ gehört, singend und rezitierend Schlaglichter auf Brecht und seine Frauen wirft. In einem kurzen Moment lässt sie den Kern des Miteinanders aufblitzen und verleiht den realen Akteuren und fiktiven Figuren individuelle Charakterzüge.

Müller-Bula gurrt und buhlt, ist lasziv und ordinär, sanft und hingebungsvoll, ironisch und burschikos, traurig und furios. Brechts Sprache ist derb und sexuell aufgeladen, wenn es durch ein Geflecht aus Lust und Verlangen, Abhängigkeiten und menschliche Unzulänglichkeiten geht.

Zurückgenommen lässt Düker seiner Bühnenpartnerin den Raum und ist ihr ein kongenialer musikalischer Begleiter. Zwischen Akustik- und E-Gitarre wechselnd, verleiht er dem Strudel an Gefühlen noch mehr Tiefe und Ausdruck, mal drängend und stürmisch, zart und sehnsuchtsvoll, mal als Rap oder rockig bearbeitet, dann wieder ganz traditionell. Ideenreich und mit viel Feingefühl lässt Düker die großartige Musik von Kurt Weill, die „Seeräuber-Jenny“, den „Alabama-Song“, „Surabaya Johnny“ und die anderen Lieder immer wieder frisch und anders klingen.

Brechts abschließende Worte an diesem Abend an die Frauen lassen jedenfalls keine Sentimentalität aufkommen: „In mir habt ihr einen, auf den könnt ihr nicht bauen“.

Weitere Aufführungen gibt es am Donnerstag, 1., und Freitag, 30. Dezember, jeweils um 20.15 Uhr im Apex in Göttingen, Burgstraße 46.

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