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„Liliom“ feiert Premiere im Deutschen Theater Göttingen

Stiller Typ mit rauem Charme „Liliom“ feiert Premiere im Deutschen Theater Göttingen

Als Ausrufer auf dem Rummelplatz ist der großmäulige Liliom eine kleine Berühmtheit. Doch als der werdende Vater seine Geldprobleme mit einem Raubmord lösen will, scheitert er tragisch. So lautet die Kurzfassung von Franz Molnars Charakterstudie aus dem Budapester Schausteller- und Dienstmädchen-Milieu. Das Stück, das am Sonnabend in einer Inszenierung von Marco Štorman im Deutschen Theater Premiere feierte, ist also eher schwere Kost.

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Scheitert tragisch bei der Lösung seiner Probleme: Frederik Schmid als Liliom.

Quelle: Aurin

Göttingen. Ein Publikum, dass die lockere Unterhaltung erwartete, ließ Molnars Werk bei der Uraufführung 1909 floppen. Vier Jahre später erlebte es in Wien seinen Durchbruch. Ein gewisser Unterhaltungswert steckt durchaus in der Rolle des Raufbolds und Vorstadt-Casanovas. Štorman indes führt den stadtbekannten Kleinkriminellen als stillen, nachdenklichen Typen ein. Er lässt ihn schon vor Beginn der Aufführung stumm auf der Bühne sitzen und das Publikum beim Einnehmen der Plätze beobachten.

Dabei vermag Schauspieler Frederik Schmid die Rolle des draufgängerischen Lilioms auszufüllen, dessen rauem Charme und frechen Sprüchen die Dienstmädchen erliegen. Großartig, die Szene, wie er sich vor seiner künftigen Frau Julie (frech und unschuldig: Felicitas Madl) und deren Freundin Marie (Katharina Uhland), aufspielt. Er führt seine Chefin (Elisabeth Hoppe) vor und wird gefeuert.

Dem Ensemble gelingen viele weitere schöne Szenen, etwa wie Liliom Julie in einer Frühlingsnacht näherkommt oder der Kleinkriminelle Ficsur (etwas zu brav: Benjamin Kempf) Liliom den Raubmord schmackhaft macht. Hoppe schafft es überzeugend im immergleichen Kostüm in andere Rollen zuschlüpfen. Sie zieht auch die wechselnden Bühnenbilder auf den Gleisen des Karussells nach vorne (Bühne: Dominik Steinmann).

Am Ende wird Liliom-Darsteller Schmid noch einmal stark gefordert. Regisseur Štorman will dem säkularisierten Publikum Molnars Himmelsgericht nicht zumuten. So muss Liliom, der nach gescheitertem Verbrechen den Freitod gesucht hat, sich selbst richten. Ohne Übergang geht seine Endlos-Verteidigung in die von Molnar erdachte Rückkehr Lilioms auf die Erde über. Nun spielt Schmid drei Rollen: seine eigene, die seiner Frau und der mittlerweile 16 Jahre alten Tochter. Für Zuschauer, die das Stück nicht kennen, wird es schwer zu folgen.

Nächste Vorstellungen: 24., 27., und 30. März jeweils um 19.45 Uhr. Kartentelefon: 0551/496911.

Von Michael Caspar

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