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Ein ganzes Leben in einer Nacht

Margriet de Moor: "Schlaflose Nacht" Ein ganzes Leben in einer Nacht

„Ich hatte meinen Mann geliebt. Bitte sehr.“ Von dem fatalen Ende einer Ehe berichtet Margriet de Moor in ihrem Roman „Schlaflose Nacht“, aus dem die Niederländerin am Sonntag, 23. Oktober, um 19 Uhr im Alten Rathaus Einbeck, Marktplatz 6, liest.

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Das Buchcover

Quelle: R

Einbeck. Außerdem ist dort ein Gespräch mit dem Literaturjournalisten Stefan Lohr geplant.

Die Protagonistin verbringt eine schlaflose Nacht in der kalten Küche ihres Farmhauses und backt. Oben im Bett ein Fremder, den sie erst am gleichen Tag kennengelernt hat. Dies ist das Setting von Moors Roman. Durchwachte Stunden, die angefüllt sind mit Erinnerungen und den Schmerzen alter Wunden.

Was die Erzählerin umtreibt, ist der Selbstmord ihres Mannes. Hinter dem Gewächshaus, in dem er seinen Chicoree anbaute, hat er sich an einem sonnigen Nachmittag in den Kopf geschossen. „Wir heirateten Anfang Juli, und vierzehn Monate später war ich Witwe. Das war’s.“, ist ihre nüchterne Bilanz dieser Ehe. Und nüchtern ist auch der Ton, in dem die junge Frau ihre Geschichte erzählt, ganz ohne Pathos und dabei umso empfindsamer. Erst nach und nach, als sie seine potenzielle Geliebte besucht, seine Schwester und seine Stiefmutter befragt, legt sie ihre Abgestumpftheit immer mehr ab.

Moor versteht es, die Ratlosigkeit und Apathie der Protagonistin mit Bildern zu beschreiben, die ihren Gefühlen eine teilweise fast schmerzhafte Sinnlichkeit verleihen. Der Leser wird hineingesogen in die Einsamkeit dieser Frau und in die Suche nach einer Antwort.

Moor studierte Klavier und Gesang in Den Haag, später Kunstgeschichte und Archäologie in Amsterdam, bevor sie sich der Literatur zuwandte. Ihr Debütroman „Erst grau dann weiß dann blau“ erschien 1991. „Schlaflose Nacht“ ist bereits ihr zwölftes Werk. Der Roman wurde 1994 bereits unter dem Titel „Auf den erste Blick“ veröffentlicht. Die aktuelle Version wurde von der Autorin überarbeitet und von Helga van Beuningen neu ins Deutsche übersetzt.

Am Ende der Nacht holt die Erzählerin einen russischen Zupfkuchen aus dem Ofen, nicht das einzige Ergebnis ihrer Schlaflosigkeit. Sie geht nach oben und kriecht ins Bett des Fremden, und lässt die Vergangenheit in der Küche zurück.

Margriet de Moor: „Schlaflose Nacht“, Hanser Literaturverlag, 128 Seiten, 16 Euro.

Die Autorin stellt das Buch am Sonntag, 23. Oktober, um 19 Uhr im Historischen Rathaus in Einbeck vor.

Karten gibt es in den Geschäftsstellen des Tageblattes in Göttingen, Weender Straße 44, und in Duderstadt, Marktstraße 9.

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