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Villazóns zweiter Roman

Literaturherbst Villazóns zweiter Roman

Rolando Villazón hat die Basilika St. Cyriakus zum Schauplatz gemacht. Nicht nur sein aktuelles Buch „Lebenskünstler“ zog hunderte Besucher des Göttinger Literaturherbstes in den Bann, auch die philosophischen Ansichten und die sprühende Lebensfreude des Multitalents verdienten Applaus.

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Gut gelaunt: Rolando Viiazón.

Quelle: Niklas Richter

Duderstadt. Weltstar Rolando Villazón hat die Basilika St. Cyriakus zum Schauplatz gemacht. Nicht nur sein aktuelles Buch „Lebenskünstler“ zog hunderte Besucher des Göttinger Literaturherbstes in den Bann, auch die philosophischen Ansichten und die sprühende Lebensfreude des Multitalents verdienten Applaus.

So richtig berühmt geworden ist Rolando Villazón vor allem durch seine Stimme. Als Startenor war er Gast an den bedeutendsten Opernbühnen der Welt. „So vieles ist ein Teil von mir“, erklärte Villazón jedoch auf die Frage einer Besucherin, ob er lieber singe oder schreibe. Er sei bei allem mit ganzem Herzen dabei: Singen, schreiben, dirigieren, moderieren, inszenieren, zeichnen, mit seiner Familie zusammen sein oder eben in der Duderstädter Basilika über sein neues Buch erzählen – alles habe für ihn einen einzigartigen Wert im Moment des Seins.

Sein Roman „Lebenskünstler“ spielt in einer nicht benannten Stadt. „Es kommt nicht auf Nationalitäten und Sprache an, sondern auf die Menschen und ihre Beziehung zueinander“, berichtete der Künstler mit lebhafter Körpersprache über die Hintergründe seines Romans, gab Einblicke in seine Arbeitsweise und seine Inspiration. Moderator Joachim Dicks vom NDR ließ sich auf die geballte Ladung an Lebensweisheiten ein, hakte nach und ließ dem Autor Villazón Raum zur Entfaltung. Das Spiel des Lebens stand als Leitmotiv über dem Gespräch, zeigte sich aber in verschiedenen Facetten: „Spielen bedeutet nicht passives carpe diem, sondern ist ein bewusster Prozess. Ein Kind hat große Seriosität beim Spielen. Nicht nur beim Kind, auch im Lebensspiel geht es um Fragen, wer wir sind“, sagte Villazón. Jeder komme in seinem persönlichen Spiel, in der Komplexität aus Beziehungen, Zufällen, Wünschen, Hoffnungen und dem schon Erlebten zu einem anderen Ziel. Dies sei der große Unterschied zu all den Games in der digitalen Welt, wo das Ziel für jeden Spieler gleichermaßen vorgegeben sei. „Morgen ist die Konsequenz von Heute“, sagte der Autor über das Prinzip des wandelbaren Lebensspiels.

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Nicht nur sein aktuelles Buch „Lebenskünstler“ zog die Besucher des Göttinger Literaturherbstes in den Bann.

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Die stetige Suche nach Ursache und Wirkung durchströmt den Roman „Lebenskünstler“ ebenso wie die kantigen Protagonisten und ihre Handlungen. Passagen aus der deutschen Übersetzung las äußerst anschaulich der Schauspieler Götz Lautenbach. Die Gäste wurden bildlich mitgenommen in die Straßenbahn, beobachteten die Menschen dort, die, knapp skizziert, doch einzigartige Lebendigkeit erhielten. Immer wieder flammte der Leitgedanke auf, dass jede Kleinigkeit, jede Regung, eine Geschichte in der Vergangenheit hatte, aber auch einen Einfluss auf die Zukunft. „Glück und Traurigkeit sind keine Orte, an denen man bleibt, nur im Tod bleibt man“, meinte Villazón.

Geistreich und humorvoll hat der Autor seine skurrilen Protagonisten gezeichnet und ihren Handlungen und Entscheidungen viel Lebensweisheit beigemengt: Der Spiele- und Rätsel-Erfinder Palindromus wählt nicht den Erfolg als Lebensziel, sondern die Kreativität. Alles, was er beginnt, führt er nicht zu Ende, sondern lässt sich ständig neu inspirieren und lebt die stetige Wandlung. „Lebensenergie erhalten wir durch das Weiterlaufen und indem wir alles mitnehmen, was sich bietet, Glück und Trauer gleichermaßen“, sagte Villazon. Nicht nur sein Palindromus, auch er selbst sei überzeugt davon, dass Fantasie und Kunst viel mehr wert seien als Erfolg und Geld.

Dennoch scheint auch der zweite Roman „Lebenskünstler“ von Rolando Villazón von Erfolg gekrönt zu sein. Die Plätze zur Lesung in der Basilika als Außenstelle des Göttinger Literaturherbstes waren komplett besetzt.

Rolando Villazón: „Lebenskünstler“, 384 Seiten, 19,95 Euro.

Von Claudia Nachtwey

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