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Vesper und sein Ziegelstein

Buchpreisträger im Gespräch Vesper und sein Ziegelstein

Mit seinem Roman "Frohburg" hat der Göttinger Schriftsteller Guntram Vesper die Jury des Literaturpreises der Leipziger Buchmesse überzeugt. Am Donnerstag wurde er damit ausgezeichnet. Seit sieben Jahren hat er an dem Mammutwerk gearbeitet, das in seinem Haus im Ostviertel entstanden ist.

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Ein Abend ohne Regeln im Exil

Erhielt für „Frohburg“ den Preis der Leipziger Buchmesse: der Göttinger Autor Guntram Vesper.

Quelle: dpa

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Göttingen. Der Schriftsteller stellt das Buch am Montag, 25. April, um 20 Uhr im Literarischen Zentrum Göttingen, Düstere Straße 20, vor. Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt.

Angaben zum Buch: Guntram Vesper: „Frohburg“,  Schöffling, 1008 Seiten, 34 Euro.

Einen Terminmarathon hat der 74-jährige Vesper  über sich ergehen lassen, nachdem er am Donnerstag den Leipziger Buchpreis erhielt. Telefonieren? Keine Chance am Donnerstag und Freitag. „Ich musste so viel durch die Hallen wetzen“, sagt er im  Telefonat mit dem Tageblatt, zu dem er am Sonnabend Zeit findet.

Ausgezeichnet wurde Vesper für das Werk „Frohburg“, eine Chronik seiner Geburtsstadt gleichen Namens, 37 Kilometer südlich von Leipzig. Vesper nennt das Buch „Ziegelstein“ oder „Klotz“. 1008 Seiten ist es stark, ursprünglich 1200. „Sechs, sieben Jahre habe ich daran geschrieben“, erklärt er. Da sei es klar gewesen, dass die Arbeit in ein Buch münde.

Verfasst mit Blick auf die Merkelstraße

„Eine kleine Hemmschwelle“ sei vor der Veröffentlichung da gewesen, sagt der Schriftsteller. Schließlich habe er auch von sich Einiges kundgetan, das er vorher nie veröffentlichte. Ein halbes Jahr lang hat er die ersten zehn Seiten seines Buches – eine Art Kamerafahrt von seinem Elternhaus zum Haus der Großeltern - jeden Morgen wieder bearbeitet. „Ich wollte nicht einfach ins Buch hineinfallen“, erläutert er seine besondere Sorgfalt. Entstanden ist das Buch am Tisch in seinem Wintergarten in dem Haus im Ostviertel. „Mit Blick auf die Merkelstraße“, sagt Vesper. Er sei aus seinem Schreibzimmer in der ersten Etage nach unten gezogen an den Tisch, „wo wir sonst essen, Zeitung lesen und Besuch empfangen. Dort hat in den vergangenen Jahren mein  Laptop gestanden, daneben DIN-A4-Bögen.“

 

Auf dem Papier notierte er, was er nachschlagen musste. Als er mit dem Schreiben fertig war, kam Verleger Klaus Schöffling zu Besuch nach Göttingen. Mit ihm hatte er bereits zwei Bücher realisiert, 1990 und 1992, damals aber noch für die Frankfurter Verlagsanstalt. Ausdrucken habe er das Manuskript allerdings nicht gekonnt, sagt Vesper. Schöffling habe es per Mail erhalten, in seinem Verlag ausdrucken lassen, eigens einen Trolley für die vielen Blätter gekauft und anschließend in dreiwöchiger Klausur im Ausland gelesen. Begeistert sei Schöffling anschließend ebenso gewesen wie seine allesamt jüngeren Verlagsmitarbeiter, erinnert sich Vesper und sagt: „Dieser Rückenwind war gut.“ 

Erst Lesereise, dann neue Projekte

Unsicherheit beschlich ihn bei der Gala auf der Buchmesse, bei der die drei Preise für Übersetzung, Sachbuch und Belletristik vergeben wurden. Auch die Übersetzung stammt aus dem Hause Schöffling, die Autorin Brigitte Döbert wurde vor ihm geehrt. „Dann kann Schöffling nicht nochmal gewinnen“, habe er gedacht. Jetzt sieht Vesper die Auszeichnung als „ganz, ganz großen Erfolg“. Im Vorfeld hatte ihm eine Verlagsmitarbeiterin den Erledigungsplan im Falle des Gewinnens gezeigt. Vesper: „Wenn man die Termine sieht, wünscht man sich fast, dass man den Preis nicht bekommt.“ Mit Schöffling steht er jetzt in Kontakt wegen möglicher Folgeprojekte. „Doch jetzt kommt erst die Lesereise, da freue ich mich drauf“, sagt Vesper und klingt sehr vergnügt. Die Tour sieht auch einen Auftritt im April im Literarischen Zentrum Göttingen vor. Ganz sicher ist er nicht, doch er meint, zum letzten Mal 1989 während der Wendezeit in seiner Heimatstadt gelesen zu haben. „Im Apex, alle konnten Essen mitbringen, wir haben für das Thüringer Mett gesorgt.“ Dann verabschiedet Vesper sich am Telefon: „Wir müssen noch sächsische Knackwurst mit Kümmel kaufen.“

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Guntram Vesper
Buchpreisträger Guntram Vesper.

Mit Guntram Vesper hat sich ein Altmeister beim Preis der Leipziger Buchmesse durchgesetzt. Die Jury würdigte ein wahres Lebenswerk.

Von Frohburg aus hat sich Vesper auf eine lange Reise in die deutsche Geschichte begeben.

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