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Macho im Ledermini

Comedy mit Carolin Kebekus Macho im Ledermini

Von Internetabhängigkeit bis Kindererziehung, von Thomas de Maizière bis Helene Fischer: Als „Alpha-Pussy“ hat Komikerin Carolin Kebekus am Sonnabend ihr zweites Soloprogramm in der ausverkauften Lokhalle in Göttingen vorgestellt und lautstark Dampf abgelassen. Das Publikum war begeistert.

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Carolin Kebekus in der Lokhalle

Quelle: Heller

Göttingen. „Ich bin Alpha, ihr seid … Pussy.“ Carolin Kebekus ist keine Frau der leisen Töne. Begleitet von wummerndem Hardrock kommt die Comedy-Künstlerin, Schauspielerin und Sängerin  singend auf die Bühne. Und das Publikum steigt aus dem Stand in den Refrain ein und brüllt zurück. „Pussiii.“

Kebekus weiß, wie es geht. Und das Publikum scheint genau zu wissen, was es kriegt.  Hier ist nicht das geschliffene Wort angesagt. Die Kölnerin, die zum Ensemble der „ZDF-heute-show“ gehört und dieser Tage mit einer Frauke-Petry-Parodie für Aufmerksamkeit gesorgt hat, ist als „Alpha-Pussy“ unterwegs und pflegt verbal entsprechend die rotzige Gangart. Sie schimpft und prangert an.

Die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht vor dem Kölner Hauptbahnhof hätten erst gezeigt, dass das Sexualstrafrecht veraltet war. „Bis Juli war dein iPhone besser geschützt als dein Arsch“, bringt Kebekus es unmissverständlich auf den Punkt. Sie mokiert sich über junge Leute, die Schlagerpartys feiern und den eigenen Müttern um die Häuser ziehen statt zu rebellieren mit. „Was ist los mit dieser Generation?“

„Der Trend geht zum Zweit-Screen, dass man möglichst viel zwischen sich und der Realität hat“, sagt die 36-Jährige. Und sie hat einiges ausgemacht, da draußen in der Wirklichkeit: Internet- und YouTube-Dauerkonsum, emotionale Verrohung und Oberflächlichkeiten, Diätwahn, Terroralarm, Pornografie und AfD.

Die vielfach ausgezeichnete Komikerin (unter anderem Prix Pantheon 2008 und Deutscher Comedypreis 2013, 2014 und 2015) bringt eine spezielle Mischung auf die Bühne. Derb, vulgär und laut wie ein Kerl haut sie schonungslos drauf, wie ein Macho im schwarzen Ledermini. Aber bei allem Getöse bezieht die Kölnerin Position und macht sich stark für Frauenrechte. Der Tabubruch ist mit Ansage. Ihr auf Krawall gebürstetes Bühnen-Alter-Ego redet Klartext und in der Parodie schießt Kebekus – intelligent wie sie ist – kalkuliert übers Ziel hinaus.

Aber die Botschaften kommen an. Rollenmuster, die bereits via Kindererziehung klar festgelegt werden. Frauen, denen durch Medien permanent Selbstzweifel eingeimpft werden. Ein Lohngefälle, das Frauen deutlich benachteiligt und anderes mehr. Kebekus spricht es aus und verpackt es unterhaltsam in Humor.

Das Publikum bedankt sich mit tosendem Applaudieren im Stehen. „Ich weiß, dass ich viele schlimme Sachen gesagt habe und stelle klar, dass ich es so gemeint habe“, verabschiedet sich Kebekus. Unmissverständlich.

Von Karola Hoffmann

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