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Luise Rist inszeniert Musiktheater

„Das Hässliche in Schönes verwandeln“ Luise Rist inszeniert Musiktheater

Die Theatermacher des „Boat People Projekts“ erarbeiten derzeit die Musiktheater-Produktion „Flutlicht“ mit minderjährigen Flüchtlingen und deutschen Altersgenossen. Überschattet wurden die Proben von der drohenden Abschiebung von Anita Osmani. Die Familie der 15-jährigen Roma lebt seit 16 Jahren in Göttingen.

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Starkes Team: Vera Eppinger (links) und Anita Osmani.

Quelle: Hinzmann

Göttingen. „Bilder sind es, die das Stück beschreiben“, sagt Osmani, deren Eltern vor dem Jugoslawienkrieg aus dem Kosovo flohen. Eine Militärjacke stehe für den Krieg, und der müsse beendet werden. Das Ziel: „Das Hässliche in Schönes verwandeln“, erklärt sie, „in einen Blumenstrauß, der einem Mädchen geschenkt werden soll“. Und Vera Eppinger, ebenfalls 15 Jahre alt, ergänzt: „Gesungen werden Liebeslieder und Lieder über Flucht.“ Premiere ist am Freitag, 18. Dezember, im ehemaligen IWF-Gebäude, Nonnenstieg 72.

Mehr als 20 Jugendliche aus Somalia, Afghanistan, Syrien, Eritrea und eben Göttingen sind dabei. Kennengelernt haben sich die meisten bei vorangegangenen Produktionen des „Boat People Projektes“. „Alle wollten zusammenbleiben, obwohl sie total verschieden sind“, beschreibt Osmani die Stimmung in der Gruppe. „Wir sind alle befreundet, das kommt in jedem Stück heraus.“ Gerade jetzt, als viele Menschen aus Göttingen gegen die Abschiebung demonstrieren, „haben sich die Jugendlichen von ihrer besten Seite gezeigt“, erklärt Regisseurin Luise Rist, „alle würden für den anderen eintreten“.

Hans Kaul, ehemals musikalischer Leiter am Deutschen Theater Göttingen, arbeitet seit Monaten mit den Sängern, sagt Rist. „Sonst wäre das, was jetzt auf der Bühne passiert, auch ein Wunder.“ Begleitet werden sie von der „Boat-People-Projekt-Band“, einem Quartett, das mit Akkordeon, Saxophon, Drums. Klavier, Gitarre und Bass instrumentiert ist. Kaul sei inzwischen Experte geworden für eritreische, arabische, persische und andere außereuropäische Musik, sagt Rist. Ein Lied gehört zum Programm, das die Jugendlichen auf Deutsch singen, den Refrain allerdings auf Romanes, „eine Sprache, die man nicht einfach lernen kann“, erklärt Rist. Und weiter: „Menschen aus sieben Nationen singen dann in der Sprache der Roma, das ist bestimmt noch nie vorgekommen.“

Die Proben für die etwa 80-minütige Vorstellung sind manchmal etwas kurz gekommen. Rist: „Sie gehen alle zur Schule, und wegen der Situation mit Anita waren wir demonstrieren – und beim Ministerpräsidenten.“

Die Frage nach der Besetzung der Hauptrollen beantworten die jungen Frauen dann sehr bestimmt: „Die Gruppe spielt die Hauptrolle.“

Die Premiere am Freitag, 18. Dezember, ist bereits ausverkauft, Restkarten gibt es noch für die Vorstellungen am Sonnabend und Sonntag, 19. und 20. Dezember, um 20 Uhr im ehemaligen IWF-Gebäude, Nonnenstieg 77. Tickets gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Auf der Spiegelbrücke 11 in Dudertstadt.

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