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Lutz von Rosenberg Lipinsky im Apex

„Angst.Macht.Spaß“ Lutz von Rosenberg Lipinsky im Apex

„Angst macht Spaß“, meint Lutz von Rosenberg Lipinsky. Den politischen und gesellschaftlichen Phobien hat sich der Kabarettist am Sonnabend im Göttinger Apex gewidmet.

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„Angst macht Spaß“, meint Lutz von Rosenberg Lipinsky. Den politischen und gesellschaftlichen Phobien hat sich der Kabarettist am Sonnabend im Göttinger Apex gewidmet.

Quelle: r

Göttingen. „Der Deutsche meckert morgens, wenn er aufgewacht ist. Und warum ...? Weil er aufgewacht ist.“ Lutz von Rosenberg Lipinsky geht hart ins Gericht mit der vorherrschenden Mentalität: Der Deutsche ist nicht locker, nicht lustig und pessimistisch von Natur aus. „Wir brauchen mehr Lockerheit, mehr Optimismus“, hält der Kabarettist dagegen.

 Immerhin hat sich die Prophezeiung der Mayas, von Nostradamus und Regisseur Roland Emmerich nicht erfüllt. Der Weltuntergang ist uns am 21. Dezember 2012 erspart geblieben. Aber während die Deutschen sich sogar noch für den Weltuntergang zu pessimistisch zeigten, hat der Kabarettist aus Hamburg die wahren Lebenskünstler ausgemacht: „Die Griechen feiern seither durch. Wir müssen nichts zurückzahlen.“

Fuball-Weltmeisterschaft

Ob Fußball-Weltmeisterschaften, Lebensmittelskandale, Finanzkrise oder sinkende Geburtenrate, ob Angst vor dem Fremden, vor Terrorgefahr, Atomkraft oder Innenminister de Maizière, die Angst vor Machtverlust oder davor, gegen Mächtige zu rebellieren. Rosenberg Lipinsky macht viele Baustellen im deutschen Gemüt aus. Der Berliner Flughafen, die Elbphilharmonie in Hamburg oder der Bahnhof in Stuttgart: „7,3 Milliarden, damit man 20 Minuten früher in Ulm ist.“ Das Publikum bekommt einiges zu lachen, zu schmunzeln und auch zu überdenken mit auf den Weg.

„Angst an sich macht Spaß“, lautet die These. Denn Angst sei ein starkes zivilisatorisches Gefühl, das aus den Tagen stamme, als der Mensch noch nicht an der Spitze der Nahrungskette stand, schlägt der Kabarettist einen evolutionsgeschichtlichen Bogen. „Mal unten, mal oben: eine Art Hannover 96.“ Schließlich neige der Mensch dazu, sich in Gefahr zu bringen, um „das geile Gefühl“ zu erleben, überlebt zu haben.

"Analoger Shitstorm"

Nach Katastrophen und Weltuntergangsszenarien, nach Watergate, 11. September und Highlander III spottet sich der studierte Theologe bis zur Sintflut („für Jüngere: eine Art analoger Shitstorm“) und Noah zurück. Ob seiner nautischen Fähigkeiten könne er jederzeit bei der „Costa“ anfangen.

Rosenberg Lipinsky geht es mal süffisant und spöttisch an, dann wieder bitterböse und zynisch. Energiegeladen bringt er die Dinge mit viel Wortwitz auf den Punkt und scheut sich nicht davor, auch mal deutlich und derbe zu formulieren. Die Gedankengänge sind intelligent und durchdacht, die Vergleiche und Zusammenhänge gerne schräg und unterhaltsam, die Schlussfolgerungen anregend. Ein gute Mischung aus Tiefgang und Leichtigkeit.

Von Karola Hoffmann

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